Simbabwe: Kronzeuge in Hochverratsprozess hat Erinnerungslücken

21. Februar 2003, 21:41
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Oppositionsführer Tsvangirai soll Ermordung von Präsident Mugabe geplant haben

Harare - Der Kronzeuge der Anklage im umstrittenen Hochverratsprozess gegen Simbabwes Oppositionschef Morgan Tsvangirai hat am Freitag überraschend massive Erinnerungslücken eingeräumt. Ari ben Menashe erklärte am Freitag vor Gericht in Harare, er könne sich an eine Reihe von wichtigen Punkten nicht erinnern. Der Ex-Spion des israelischen Geheimdienstes, der in den 80er Jahren in Simbabwe lebte, sagte im Kreuzverhör auf mehrere Fragen der Verteidigung zu einem heimlich aufgenommenen Video, er könne sich nicht erinnern.

Das Video soll angeblich den Oppositionsführer bei dem Versuch zeigen, den Zeugen zum Mord an Präsident Robert Mugabe anzuheuern. Die Ton- und Bildqualität des viereinhalbstündigen Bandes ist über weite Strecken jedoch so schlecht, dass es kaum verständlich ist. An die genauen Worte, mit denen er zum Mord aufgefordert worden sei, könne er sich nicht erinnern, sagte der Kronzeuge, der seit einem Jahr als "Imageberater" für die Regierung Mugabe tätig ist. Überhaupt nicht erinnern könne er sich, ob Tsvangirai ihn aufgefordert habe, bei einem Staatsstreich mitzumachen.

Ben Menashe hatte Tsvangirai zuvor schwer belastet. Er habe ihm 10 Millionen Dollar (9,23 Mill. Euro) für ein Mordkomplott gegen Mugabe geboten, erklärte ben Menashe Anfang Februar. Dem simbabwischen Oppositionschef droht bei einer Verurteilung die Todesstrafe. Das Gericht vertagte den Prozess unerwartet um zwei Wochen, um dem 61-jährigen Zeugen Gelegenheit zu geben, in "einer dringenden Familien- und Geschäftssache" in seine Heimat Kanada zu reisen. (APA/dpa)

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