Mord eines Friedfertigen

21. Februar 2003, 21:37
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Warum erschießt einer am helllichten Tag den Nächstbesten? Daniel Glattauers Roman "Darum", mit Vorabdruck

Warum erschießt einer, von dem selbst Fliegen kein Leid zu erwarten haben, am helllichten Tag den Nächstbesten? Eine gute Frage. Daniel Glattauer hat sich einen ganzen Roman lang Zeit genommen, sie zu beantworten.

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Jan Haigerer, ein als friedfertig bekannter Journalist, richtet in einer düsteren Kneipe eine Waffe auf die Eingangstür und erschießt scheinbar wahllos den nächstbesten Gast, der das Lokal betritt. Er legt auch bald ein Mordgeständnis ab, weigert sich aber beharrlich, den Grund für die Tat zu nennen. Der Psychiater kann keine Krankheit an ihm feststellen. Die Menschen um ihn erkennen nichts Böses. Sie mögen ihn. Sie haben das Bedürfnis, ihn vor sich selbst zu beschützen.

Jan Haigerer (der Ich-Erzähler des Romans) fiebert seinem Prozess entgegen. Er rechnet mit lebenslanger Haft. Er wünscht sie sich so gar. Er will für sein Verbrechen büßen. Aber er bittet um Verständnis, den Grund für seine Tat erst viele Jahre später nennen zu können. Dieses Verständnis bringt keiner auf, kein Freund, kein Richter und natürlich auch kein Leser.

>>> Hier ein Vorabdruck

(DER STANDARD, ALBUM, Printausgabe vom 22./23.2.2003)

Daniel Glattauers "Darum", sein fünftes Buch, sein zweiter Roman, erscheint im März im Deutike-Verlag.

>>> hier ein Vorabdruck

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    buchcover: "darum"
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