Kunst, Krieg und Kinderkultur

21. Februar 2003, 20:05
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Die Kids stürmen in den ersten Wochen das Kinderprogramm von "Graz 2003"

Graz - Das Jahr, in dem Graz Kulturhauptstadt ist, soll bei den jüngsten Bewohnern einen bleibenden Eindruck hinterlassen. Darin war man sich im Organisationsteam von Graz 2003 einig. Mit dem "Minicosmos" schuf man ein kleines Universum innerhalb des ganzjährigen Programms, das auf etwa Drei- bis Zwölfjährige zugeschnitten ist. Das dazugehörige Maskottchen Cosmo, ein blau-grün gestreifter Außerirdischer des Kinderbuchzeichners Tom Klengel, ist jetzt schon allen ziemlich ans Herz gewachsen.

Schon nach wenigen Wochen gab es einen Engpass bei der Stofftierausgabe des arm-und beinlosen Wesens mit den treuherzigen Augen. Mittlerweile ist es aber wieder im 03-Shop in der Grazer Herrengasse erhältlich.

Der Hauptwohnsitz des kinderlieben Aliens ist aber die Minicosmos-Zentrale in der Grazer Sackstraße, wo man Tickets für das gesamte Kinderprogramm kaufen oder einfach nur zum Basteln und Spielen vorbeikommen kann. "Bei der Eröffnung war es unglaublich, man konnte sich kaum umdrehen", erzählt die Leiterin der Minicosmos-Zentrale, Carmen Grasso. Der Strom kleiner Besucher und ihrer Eltern - denn die Zentrale ist keine Kinderaufbewahrung, betont Grasso - reißt aber nicht ab. Die sonntäglichen Öffnungszeiten wurden bereits auf 12 bis 17 Uhr verlängert, von Dienstag bis Samstag kann man Cosmo von 10 bis 17 Uhr besuchen.

Grasso schätzt, dass auch ohne die täglichen Besucher ihres "Kinderuniversums" bisher etwa 3500 Kinder an organisierten Führungen, Workshops und anderen Programmen teilgenommen haben. Das Kinderstück "Frau Finster kann nicht schlafen" ließ viele enttäuscht zurück, den alle 14 Aufführungen waren Tage im Voraus ausverkauft. Rund 1700 Kinder haben der schlaflosen Dame zugesehen. Das Stück wird im Herbst wieder aufgenommen.

Auf den ersten Blick irritierend mögen die Kinderführungen durch die Ausstellung MARS Kunst und Krieg erscheinen, die selbst für Erwachsene nicht unbedingt leicht verdauliche Bilder von Gewalt präsentiert. Auch Sylvia Schneider aus dem Team der Neuen Galerie war anfangs skeptisch, als Minicosmos bei ihr anfragte, ob sie Kindern die Schau zeigen würde. Nachdem Schneider erst nur mit Kindern ab zwölf durchgehen wollte, hat sie die Tour mittlerweile selbst mit Drei- bis Siebenjährigen erfolgreich durchgestanden. "Natürlich bleiben bestimmte Räume der Ausstellung für die Kinder verschlossen", räumt Schneider ein, "aber mit anderen Kunstwerken wie den interaktiven Videospielen oder mit der Skulptur im Hof, ,Airplane Parts and Building' von Nancy Rubins, konnten die Kinder viel anfangen." Vorab wird mit den Kindern aber auch über ihnen bekannte Formen von Krieg - wie Streit oder Raufereien -, aber auch über den Frieden bzw. Freundschaft und Kameradschaft gesprochen. Auch Mars als mythologische Figur oder als Planet ist ein Thema. Nach etwa eineinhalb bis zwei Stunden verarbeiten die Kids dann abschließend ihre Eindrücke beim gemeinsamen Zeichnen oder Basteln.

Die letzte Kindertour unternimmt Schneider am 2. März um 15 Uhr. Parallel, aber natürlich getrennt, können Eltern an einer Erwachsenenführung teilnehmen.

Für junge Cineasten wird der Minicosmos besonders von 20. bis 27. April interessant, wenn das europäische Kinderfilmfestival "Best of Europe" im Schubertkino über die Leinwand flimmert. Ende August beginnt dann auf der Murinsel ein "Gruselfilmfestival" für Kids, und Ende Oktober bis Anfang November zeigt man bei den dritten Kinderfilmfestspielen von Graz 2003 internationale Kinderfilme. (Colette M. Schmidt, DER STANDARD, 22./23.2.2003)

  • Ein „Minicosmos“ im Zeichen eines Außerirdischen: das
Spieluniversum von "Graz 2003"
    foto: veranstaler graz 2003

    Ein „Minicosmos“ im Zeichen eines Außerirdischen: das Spieluniversum von "Graz 2003"

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