Futter für die Regenbogenpresse

21. Februar 2003, 20:30
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Zwischen Milliardenvertrag und Landdisco: Karriereverläufe der Sieger von Castingshows

Voller Hürden und Rückschläge ist der Werdegang eines Popidols: Frenchie Davis zum Beispiel, jene hoffnungsfrohe Anwärterin auf den Titel eines American Idol 2 wird den Tag verfluchen, an dem sie sich nackt für ein Pornomagazin ablichten ließ. Vier Jahre sind seither vergangen, den Programmmanagern des US-Senders Fox war selbst das nicht lange genug: Letzte Woche wurde Frenchie vorsorglich aus dem Bewerb entfernt - natürlich ganz legal mit niedrigster Punkteanzahl. Der Traum vom Popidol war für sie schnell zu Ende.

Andere haben es besser erwischt: In Großbritannien, Polen, Südafrika und den USA sind Sieger von Castingshows à la ORF-"Starmania" bereits ermittelt. Zumindest was kurzfristigen Starruhm betrifft, haben es alle zum "Popidol" geschafft.

Der Sieger der britischen Show, Will Young, kam mit drei Titeln und einem Album auf Platz eins der nationalen Charts. Sein erster Hit, Anything Is Possible/Evergreen, war die erfolgreichste Debütsingle der britischen Popgeschichte überhaupt: In einer Woche verkaufte er sich 1,2 Millionen Mal und brach damit gar den Rekord von Elton Johns Lady-Di-Hymne Candle in the Wind. Derzeit kämpft der putzige Brite allerdings mit einer "kreativen" Blockade: Die Verkäufe sind ins Stocken geraten, die vierte Single ging vergleichsweise zögerlich, nämlich rund 100.000-mal über den Ladentisch.


Schnelles Glück

Gleichfalls gestoppt ist der Höhenflug der ersten Siegerin des American Idol-Wettbewerbs. Vergangenen September gewann die 20-jährige Kelly Clarkson aus Texas. 23 Millionen Zuschauer verfolgten das Finale. Clarkson gewann einen Plattenvertrag im Wert von einer Million Dollar. Ihre Single wurde Nummer eins, schien aber nach acht Wochen nicht mehr in den Charts auf.

In der Boulevardpresse freilich ist die Siegerin gemeinsam mit dem zweiten Finalisten Justin Guarini nach wie vor stark vertreten. Weil die beiden gerade für den Film From Justin to Kelly: The Rise of Two American Idols vor der Kamera stehen, wird wild über eine mögliche Liebesbeziehung spekuliert.

Ebenfalls zu Starruhm gelangten die Nachwuchstalente auf den Plätzen hinter Clarkson und Guarini: Gleich vier Teilnehmer unterzeichneten Plattenverträge, drei nehmen gerade Demos auf, eine Kandidatin präsentiert demnächst ihre eigene Modelinie.

Der Aufstieg des südafrikanischen "Superstars" Heinz Winckler ist ungebrochen: Der im Juni 2002 gewählte 24-Jährige trat unter anderem bei der Eröffnung der Cricket-Weltmeisterschaft auf und hat sich auch in der Musikbranche etabliert. Winckler hat für die aus seinem Album ausgekoppelte erste Single bereits zweimal Platin bekommen. Die zweite Single brachte es zu Gold, eine dritte ist in Planung.

Unter Vertrag ist Winckler bei der Plattenfirma BMG, einer südafrikanischen Tochter des Bertelsmann-Konzerns. Außerdem hat er einen Vertrag mit dem Disney-Konzern.

Auf weniger Interesse, auch in den Boulevardzeitungen, stößt die polnische "Idol"-Siegerin. Obwohl das Format im Fernsehen ein Erfolg war, tingelt die 17-jährige Ala Janosz zurzeit durch die Discos. (ER STANDARD, Printausgabe vom 22./23.2.2003)

Von
Doris Priesching
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