Drei FP-Minister und Rochaden bei der ÖVP

21. Februar 2003, 23:02
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Scheibner Vizekanzler? - Sozialressort als Spielball

Mit dem Verlust des Sozialministeriums hat man sich in der FPÖ bereits abgefunden, auch wenn Parteichef

Herbert Haupt

in den Verhandlungen doch noch einen Versuch unternehmen will, dieses Schlüsselressort in freiheitlicher Hand zu behalten - in seiner. In der ÖVP gilt es aber als so gut wie fix, dass die derzeitige Generalsekretärin

Maria Rauch-Kallat

ins Sozialministerium einzieht. Ihr wird als Generalsekretär der steirische Klubchef und Wahlkampfmanager

Reinhold Lopatka

folgen. Haupt muss sich also nach einer neuen Beschäftigung umsehen. Offen ist in der FPÖ, wer Vizekanzler werden soll. Haupt wäre der logische Kandidat. Allerdings gibt es auch Überlegungen, Haupt als Klubobmann im Nationalrat zu installieren. Damit könnte

Karl Schweitzer

Sportstaatssekretär werden.

Der Lieblingskandidat der ÖVP als Vizekanzler wäre aber nicht Haupt, sondern

Herbert Scheibner

. Das Anforderungsprofil der Volkspartei für den Vizekanzler ist schnell umrissen: Pflegeleicht, verlässlich, und er muss den Ankauf von Abfangjägern, welche Typenentscheidung auch fällt, mittragen. All diese Kriterien erfüllt Scheibner, der auch Verteidigungsminister bleiben könnte. Eine andere Möglichkeit aus Sicht der ÖVP wäre auch der Vorarlberger FP-Chef

Hubert Gorbach

. Der hat allerdings bei seinen freiheitlichen Parteifreunden in Wien nicht den nötigen Rückhalt.

Mathias Reichhold

, der eigentlich zurückgetreten ist, könnte weiterhin Infrastrukturminister bleiben, falls nicht doch Gorbach nach Wien übersiedelt oder Thomas Prinzhorn sich mit seinem Wunsch nach einem Ministerium durchsetzt. Die ÖVP könnte auch mit

Dieter Böhmdorfer

als Justizminister leben. Die FPÖ wäre aber bereit, dieses Ressort aufzugeben, wenn sie dagegen das Sozialministerium halten könnte.

Magda Bleckmann

, Stellvertreterin von Haupt als Parteichef, könnte als Staatssekretärin in das Regierungsteam aufgenommen werden und im Sozialministerium für Familienagenden zuständig sein - vor allem, wenn die FPÖ das Sozialministerium verliert. Eine Alternative zu ihr wäre

Martin Graf

, der sein Nationalratsmandat verloren hat. Die Tage von

Reinhart Waneck

als Gesundheitsstaatssekretär scheinen gezählt, die derzeitige Tourismusstaatssekretärin

Mares Rossmann

scheidet sicher aus.

Thomas Prinzhorn

geht leer aus, er bleibt Dritter Nationalratspräsident. Und könnte sich weiterhin bemühen, Herbert Haupt als Parteichef abzulösen.

Im Finanzministerium wird es voraussichtlich keinen Staatssekretär mehr geben.

Alfred Finz

(VP) könnte aber die derzeit im Vizekanzleramt beheimateten Verwaltungsagenden bekommen. Der derzeitige Landwirtschafts- und Umweltminister

Wilhelm Molterer

wird voraussichtlich ÖVP-Klubchef. Für sein Ressort sind mehrere Kandidaten im Gespräch. Die besten Aussichten haben der oberösterreichische VP-Klubchef

Josef Stockinger

sowie der frühere Molterer-Büroleiter (und Neffe des NÖ-Landeshauptmannes)

Sepp Pröll

. (eli, mon, völ/DER STANDARD, Printausgabe, 22.2.2003)

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