Neuausrichtung bei ams

21. Februar 2003, 19:28
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Mit dem Bau eines neuen Werks ändert der steirische Chiphersteller seine Ausrichtung

Graz - Unbeeindruckt von der Flaute der Chipindustrie zeigt sich der Grazer Microchip-Hersteller Austriamicrosystems (ams). Die um 305,2 Millionen Euro im Endausbau auf die grüne Wiese neben dem alten Fabriksgebäude hingestellte Anlage ist so ausgelegt, dass sie "gespiegelt", also seitenverkehrt, nochmals gebaut werden könnte. Bis dato wurden 200 Mio. Euro investiert, davon 17 Mio. Euro Förderungen der öffentlichen Hand. Bis 2004 soll die Fabrik im Vollausbau produzieren.

"Unsere Ausrichtung auf Industriekunden sowie auf die Automobilindustrie hat es mit sich gebracht, dass wir von den Rückgängen weniger betroffen waren", erklärt John Heugle, CEO von ams. Der Umsatzrückgang von 147,5 Mio. Euro 2001 auf 131,5 Mio. Euro im Vorjahr soll heuer mit 153,8 Mio. Euro wieder übertroffen werden. Beim Personalstand - ams hatte im Vorjahr 85 Mitarbeitern gekündigt - sei man mit 820 wieder beim Aufnehmen.

"Standard-Produkte"

Hand in Hand mit dem Fabrikbau arbeitet ams an einer Neuausrichtung. Hatte man sich bisher auf "kundenspezifische Fertigung" im Bereich analoge/digitale Schaltkreise, auf so genannte "mixed microchips" konzentriert, sollen in Zukunft vermehrt "Standard-produkte" für den Bereich analoge und Mixed Chips entwickelt werden. "Die Produktzyklen werden immer kürzer, die Unternehmen müssen schneller Produkte auf den Markt bringen", sagt Bernhard Czar von ams, "da müssen wir Vorschläge und Produktmodule im Voraus entwickeln." Daraus ergebe sich eine geringere Abhängigkeit von einzelnen Kunden sowie niedrigere Kosten aufgrund höherer Stückzahlen.

So hat ams beispielsweise "Power-Management-Units" für Handys entwickelt, die dafür zuständig sind, dass in Mobiltelefonen alle verschiedenen Einheiten gleichmäßig mit Spannung und Strom versorgt werden. Mit Ausnahme von Nokia gehen derzeit alle Mobiltelefonie-Hersteller dazu über, Entwicklung und Produktion solcher integrierten Schaltungen auszulagern.

Neuentwicklungen

Als krisenfest hätten sich Bereiche rund um Medizin und Automobil gezeigt. Ab 2004, kündigt Heugle an, würden einige Neuentwicklungen auf den Markt kommen. Beispiel: ein Chip für Airbags, der vor dem Aufblasen Maß nimmt, wie groß und schwer der Passagier ist.

Ams ist seit dem Börsen-Rückzug im Jahr 2000 im Besitz des Fonds Permira, der kürzlich die Mehrheit des TV-Sender Premiere kaufte. (Johanna Ruzicka, DER STANDARD, Printausgabe 22.2.2003)

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