Dichand strickt nicht, hat "Krone"-Zeugin

21. Februar 2003, 18:50
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Es gibt Tina Suskopf: Hans Dichand legt ihren Fanbrief vor - und DER STANDARD fand jene Autorin, deren Existenz die WAZ bezweifelt - Dichand schlägt mit Freundlichkeiten zurück ...

Wer vom Showdown der Krone-Gesellschafter am Donnerstag die ganze Wahrheit über die Entstehung von Leserbriefen im Kleinformat erwartete (siehe dazu: WAZ ruft Dichand zu "Inquisition"), wird enttäuscht. Die WAZ suchte just jene Autorin eines Fanbriefes für Herausgeber Dichand aus, die es tatsächlich gibt.

Dem STANDARD legt Dichand den Mail-Ausdruck vor, "der von mir redigiert wurde". "Wir bekommen täglich eine so große Menge an sehr guten Leserbriefen, sodass wir solche nicht selbst stricken müssen!"

"Erfreulich"

"Erfreulich, dass es im Fall Suskopf tatsächlich einen Leserbrief gibt", sagt Daniel Charim, Anwalt der WAZ in Österreich. Weniger erfreut zeigt er sich über Dichands Vorgangsweise, vielmehr "überrascht". Der Krone-Hälfteeigentümer habe Gesellschafter WAZ - entgegen seinen Angaben gegenüber dem STANDARD - nicht über den Leserbrief aufgeklärt. Obwohl Charim für den Essener Medienkonzern bereits am 3. Februar Auskunft verlangte, wie der Anwalt erklärt. "Es wäre die Pflicht eines Geschäftsführers, den Gesellschaftern zumindest auf gleiche Weise Auskunft zu geben wie Außenstehenden."

DER STANDARD fand Suskopf

DER STANDARD machte inzwischen die Autorin des Fanbriefes ("dass die Krone in österreichischer Hand bleibt") ausfindig. Suskopf war Künstlerin, Pächterin des legendären "Jahrhundertbeisels" in der Wiener Josefstadt, Unternehmerin, Eventmarketingmanagerin und nicht zuletzt jahrelang leitende Mitarbeiterin der Wiener Disco "Queen Anne".

"Wie ich dieses Mail an die Kronen Zeitung geschrieben habe, habe ich überhaupt nicht damit gerechnet, dass die das abdrucken werden!", erzählt Tina Suskopf. "Ich habe einfach meinem Ärger Luft machen müssen!" Die "Gerechtigkeitsfanatikerin", die mal Kinder, mal Tiere verteidigt, besteht darauf, dass sie den Leserbrief selbst verfasst hatte und dass sie von niemandem dazu gedungen noch belohnt wurde. "Das war mein freiwilliger Ärger - dazu stehe ich, weil ich meine freie Meinung äußern darf!"

Nicht nur über Fanpost plaudern ...

Bisher wurde sie von Dichand nicht kontaktiert, bei der Gesellschafterversammlung am kommenden Donnerstag zu erscheinen. Dort will die WAZ nicht nur über Fanpost plaudern, sondern - wie berichtet - über sinkende Gewinne und von Dichand zu verantwortende Belastungen derselben. Im Hintergrund hochaktiv: der von Dichand als Chefredakteur hinausgeworfene und nun als WAZ-Statthalter zurückgekehrte Friedrich Dragon.

"Spielschulden"

Gegen den fährt Dichand gerade neue Freundlichkeiten auf, berichtet der "Extradienst" in seiner nächsten Ausgabe: Dichands Anwalt fordert von ihm die Rückzahlung eines Darlehens von rund 110.000 Euro ein, die der "Extradienst" als "Spielschulden" charakterisiert. Dragon wird dort mit "Ich habe und hatte nie Spielschulden" zitiert.

WAZ und der 82-jährige Dichand halten je 50 Prozent der Krone, der mit dem Kurier Printriese Mediaprint gehört. (Erich Felix Mautner, Harald Fidler´/DER STANDARD; Printausgabe, 22./23.2.2003)

  • Man beachte, was Hans Dichand senior redigierte: aus "die Germanen" macht er "Schumann", also WAZ-Geschäftsführer Erich. Gestrichen hat er: "dass wir den Frass aufgetischt bekommen, den uns Rewe bietet". Der Familie Dichand gehört ein großer "Ja! Natürlich"-Zulieferer der Rewe-Tochter Billa. (zum Vergrößern anklicken)
    foto: der standard

    Man beachte, was Hans Dichand senior redigierte: aus "die Germanen" macht er "Schumann", also WAZ-Geschäftsführer Erich. Gestrichen hat er: "dass wir den Frass aufgetischt bekommen, den uns Rewe bietet". Der Familie Dichand gehört ein großer "Ja! Natürlich"-Zulieferer der Rewe-Tochter Billa. (zum Vergrößern anklicken)

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