Belgrad: Polizei bestätigt Attentatsversuch auf Djindjic

23. Februar 2003, 21:44
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Serbien: Österreichisches Kennzeichen an vermeintlichem Anschlags-Lkw - Lenker soll einst der "Wagen-Mafia" angehört haben

Belgrad - Der Lastwagen, mit dem serbischen Polizeiangaben zufolge am Freitag in Belgrad ein Anschlag auf den serbischen Ministerpräsidenten Zoran Djindjic verübt worden ist, soll ein österreichisches Kennzeichen gehabt haben. Aus Polizeikreisen war am Sonntag Belgrader Medienberichten zufolge verlautet, dass es sich beim verhinderten Zusammenstoß des Lkw mit dem Dienstwagen Djindjics entgegen ersten Meldungen doch um einen Anschlagsversuch gehandelt hat. Der Lkw wurde von einem ehemaligen Angehörigen der so genannten "Wagen-Mafia" aus dem Belgrader Vorort Surcin gelenkt.

Die serbische Polizei teilte am Nachmittag mit, dass der Lkw-Fahrer, Dejan Milenkovic (33), des Diebstahls und der Dokumentenfälschung verdächtig sei. Ein Ermittlungsrichter habe eine achttägige Untersuchungshaft angeordnet.

Djindjic, der zunächst nicht an einen Attentatsversuch geglaubt hatte, zeigte sich überrascht von der neuen Wendung im Fall. Auf ähnliche Weise waren im Oktober 1999 vier Spitzenfunktionäre der Serbischen Erneuerungsbewegung (SPO) von Vuk Draskovic ermordet worden. Nach dem mysteriösen Verkehrsunfall verschwand das Kennzeichen des Lkw spurlos. Die Anwälte von Familienangehörigen der Opfer hatten herausgefunden, dass es sich um einen Lkw handelte, der im Besitz der Polizei war. Die "Mordwagen" mit falschem, oder ohne Kennzeichen sind seit den frühen 90er-Jahren in Serbien kein Novum mehr. Bei einer Reihe von Mordüberfällen in Belgrad waren Wagen mit falschen Kennzeichen verwendet worden.

Die Surcin-Mafia, der Milenkovic angehört haben soll, gilt in Belgrad als Hauptadresse für im Westen gestohlenen Autos. In den Zeiten des UNO-Handelsembargos war ein "Austausch von Kennzeichen" unter anderem bei Auslandsreisen sehr verbreitet. Manche serbische Importeure oder Exporteure versuchten, durch fremde Lkw-Kennzeichen die Herkunft ihrer Ware zu verschleiern.(APA)

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