Kein Grund zu klagen

21. Februar 2003, 17:43
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Bis zum nächsten Kollaps könnte es weniger lange dauern als das letzte Mal - Von Samo Kobenter

Ein wenig werden SPÖ und Grüne noch jammern, ehe sie sich wieder dem Oppositionsdasein zuwenden. Aber dieses tut gar nicht so weh, wie es derzeit noch scheint, und die Aussichten auf ein erfülltes Dasein sind auch nicht ganz so trüb: Erstens dürfte die Verhaltensstörung, die Schwarz und Blau bereits einmal auseinander getrieben hat, durch die Rosskur der Wahl und die Gruppentherapie in den Sondierungsgesprächen längst noch nicht kuriert sein.

Aus der bloßen Anamnese, die FPÖ habe sich "stabilisiert", ist nicht unbedingt zu schließen, sie sei auch schon wieder robust genug für eine weitere volle Legislaturperiode an der Seite einer ÖVP, der die Pflege des eigenen Wohlbefindens jedes Opfer wert ist - solange es vom jeweiligen Koalitionspartner erbracht wird. Unter diesem Blickwinkel ist die Annahme, dass es bis zum nächsten Kollaps weniger lange dauern könnte als das letzte Mal, durchaus angebracht.

Zweitens stünden die Dinge für eine angriffige, ihre Ziele konsequent verfolgende Opposition gar nicht schlecht. Die nächste Regierung Schüssel plant schmerzhafte Einschnitte im Sozialbereich, die Verlängerung der Arbeitszeiten ist so gut wie sicher, im Gesundheitswesen winken neue Selbstbehalte und eine Erhöhung der Versicherungsbeiträge. Ob und wann eine spürbare Steuerentlastung für Klein- und Mittelverdiener kommt, steht in den Konjunktursternen. Alles in allem kein Programm, das auf rasende Begeisterung breiter Bevölkerungsschichten stoßen dürfte. Es läge also an der Opposition, daraus einen Auftrag für den Wechsel zu entwickeln, den sie bei dieser Wahl nicht erwirken konnte. Dazu müsste sie sich aber klar werden, dass ein gemeinsames Projekt nicht in den Wahlzellen beginnt. Dort wird lediglich seine Qualität bewertet. (DER STANDARD, Printausgabe, 22/23.2.2003)

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