Dach für die Forschung wird noch größer

21. Februar 2003, 17:42
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Neuer Reformvorschlag für Förderriesen

Wien - Kaum eine Woche ohne neue Vorschläge für die Reform der Forschungsförderlandschaft in Österreich. Jüngster Ausfluss des Reformeifers ist AFTI, die Austria Forschungs-, Technologie- und Innovations-GmbH.

Wie Standard-Recherchen ergaben, ist die dem Vernehmen nach von Wirtschafts- und Finanzministerium gemeinsam entwickelte Großgesellschaft noch voluminöser als das vor zwei Wochen von Bildungsministerin Elisabeth Gehrer präsentierte Forschungsdach DFTI. AFTI sei die (abschlägige) Antwort auf die von der Industrie forcierte Zusammenlegung von Fördermittelzuteilung und strategischer Planung in einer Gesellschaft, die bis zur Fusion der Forschungsfonds FWF und FFF gehen hätte können bzw. sollen, heißt es.

Mittelfluss über Fachressorts

Wichtigster Unterschied zum DFTI: Der Mittelfluss soll über die Fachressorts erfolgen, wo auch die Richtlinienkompetenz bleibt. Außerdem soll die Autonomie des auf Grundlagenforschung spezialisierten Wissenschaftsfonds FWF weit gehend erhalten bleiben, was für Unis und Akademie der Wissenschaften essenziell ist.

Pikantes Detail am Rande: Von Chefsache ist beim AFTI keine Rede mehr. Kein Aufsichtsrat, in dem Bundeskanzler, Bildungs-, Infrastruktur- und Wirtschaftsminister sitzen. Der Forschungsrat bleibt völlig eigenständig, er allein legt die Strategie der Forschungsförderung fest und hat damit nichts mehr zu tun mit der Geldverteilung, was Ratsmitglied Günther Bonn auf Standard-Anfrage begrüßt. Der FFF hingegen kritisiert den Wirrwarr an Reformplänen und fordert endlich Klarheit über den Reformweg.

Knackpunkt Finanzen

In der neuen AFTI sollen, wie beim DFTI, Austrian Research Centers, TIG, Doppler-Labors, BIT, ASA und FFF zusammengefasst werden. Hineinholen will man darüber hinaus den soeben gegründeten Förderriesen Austria Wirtschaftsservice (AWS) plus den ERP-Fonds. Der FWF soll angedockt werden, um den "Graubereich" zwischen FWF und FFF besser koordinieren zu können. Knackpunkt sind wieder die Finanzen, die in Dreijahresbudgets gesichert sein sollen. (Luise Ungerboeck, DER STANDARD, Printausgabe 22.2.2003)

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