Reiseanbieter für Irakkrieg gerüstet

21. Februar 2003, 17:16
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Gratisumbuchungen und Evakuierung möglich

Wien - Während ein drohender Irakkrieg derzeit immer mehr potenzielle Reisende verunsichert, arbeiten Reiseveranstalter und -büros intensiv an Beruhigungsszenarien für ihre Kunden. Diese reichen vom verstärkten Ausbau von Krisenstäben vor Ort, welche Urlauber schnell außer Landes bringen können, bis hin zu Gratis-Umbuchungsaktionen. "Die kostenlosen Umbuchungen gelten bis zu zwei Monate vor Reiseanstritt", bestätigt Thomas-Cook-Sprecherin Beatrix Jonak auf Anfrage des Standard. Dies gilt auch bei TUI, wobei man auch von einer teuren Superreise in ein mögliches Krisengebiet auf einen billigeren Trip in einem sicheren Land umdisponieren kann, versichert die Konzernspitze.

Mehr Krisenmanager

Der Reisekonzern hat außerdem bereits seinen Pool an Krisenmanagern in Nordafrika (Tunesien, Marokko, Ägypten), in den Emiraten und in der Türkei massiv aufgestockt. Ihre Aufgabe: Sie können im Bedrohungsfall eine rasche Evakuierung der Kunden umsetzen. Wie Konzernsprecher Bernd Rimele ausführt, "hat man außerdem das Infosystem auf den neuesten Stand gebracht und weiß nun faktisch jederzeit auf Knopfdruck, wie viele TUI-Gäste wo urlauben".

Die größte heimische Reisebürokette, das Verkehrsbüro, setzt wiederum auf besonders umfassende Information. Verkehrsbüro-Sprecher Andreas Zenker: "Für den Krisenfall werden wir ein Callcenter rund um die Uhr einrichten."

Umpolung der Reiseströme

Die meisten Tourismusexperten rechnen jedoch damit, dass bei aller Vorsicht der Reisehunger durchaus anhalten wird. Allerdings wird es zu einer Umpolung der Reiseströme kommen. Die Urlaubsziele in den östlichen Mittelmeerländern werden verlieren, wovon vor allem die Destinationen rund ums westliche Mittelmeer, also Italien und Spanien, profitieren können.

Auf einen zusätzlichen Ansturm in diese Länder zeigen sich die großen Reiseveranstalter vorbereitet. Man habe sich die notwendigen Hotel- und Transportkapazitäten schon gesichert, heißt es. Die Veranstalter gehen außerdem davon aus, dass Fernreisen zulegen und die Zahl der kurzfristigen Buchungen weiter zunehmen werden. Einige sind sich die Experten jedenfalls darin: In Österreich würde ein Irakkrieg die Aussichten auf ein neues Rekordjahr, wie es 2002 war, auf jeden Fall trüben. (Monika Bachhofer, DER STANDARD, Printausgabe 22.2.2003)

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