Ziemlich saubere Spiele

24. August 2008, 12:19

Der Schein trügt aller­dings ein wenig: 39 Betrüger schon vor Olympia erwischt - Bis dato nur sechs positive Fälle - Zweifel bleiben

Peking - Ob nur sechs erwischte Betrüger bei den 29. Olympischen Sommerspielen in China auf eine positive Doping-Bilanz schließen lassen, oder nicht, das sei dahingestellt. Fakt ist aber, dass kein großer Skandal um illegale Substanzen die Bewerbe im Zeichen der Fünf Ringe störte. Hatte man mit 30 bis 40 Fällen gerechnet, so sind es mit Stand nach Auswertung aller Proben bis Mittwoch kaum mehr als eine Hand voll, dafür wurden allerdings im Monat vor Öffnung der Tore zum Olympischen Dorf in Peking bereits 39 unsaubere Athleten aus dem Verkehr gezogen.

Die Labors, in denen am Ende über 4.500 Proben untersucht sein werden, verfügen, das versicherte das Internationale Olympische Komitee (IOC) wiederholt, über modernste Standards. Dass in den Urin- und Blutproben trotzdem nicht mehr unerlaubte Mittel gefunden wurden, lässt also scheinbar den Schluss zu, dass bei den Athleten tatsächlich ein Umdenken stattgefunden haben könnte.

"Die Abschreckung mit erhöhten Strafen greift offenbar. Es ist schwieriger geworden, zu betrügen", kommentierte IOC-Präsident Jacques Rogge die Bilanz. IOC-Vizepräsident Thomas Bach glaubt nach Rücksprache mit der Welt-Anti-Doping-Agentur (WADA) nicht, dass es derzeit ein Dopingmittel gebe, "das benutzt wird und uns nicht bekannt ist". Es sei das engmaschigste Netz aller Zeiten bei den Spielen und vor allem davor geknüpft worden.

Zu den abschreckenden Maßnahmen zählt, dass Sportler, die von den internationalen Verbänden mit Sperren ab sechs Monaten belegt werden, nicht an den nächsten Olympischen Spielen teilnehmen dürfen. Außerdem werden die Proben acht Jahre lang für mögliche spätere Untersuchungen eingefroren.

"Es ist genauso, wie ich es mir gewünscht und erhofft habe. Ich habe daran geglaubt, dass es nur wenige Fälle sein werden. Ich gehe davon aus, dass den Athleten klar geworden ist, dass es keine Freunderlwirtschaft und keine Gnade gibt", sagte Hans Holdhaus, der Direktor des Instituts für medizinische und sportwissenschaftliche Beratung (IMSB) in der Südstadt, im Gespräch mit der APA - Austria Presse Agentur. Der Anti-Doping-Experte glaubt, dass ein Umdenken stattgefunden habe und eine neue Generation von Sportler heranwachse.

2000 in Sydney waren es 12 positive Dopingfälle bei 2.500 Tests, 2004 in Athen 26 bei 3.600. "Das ließ uns annehmen, dass es in Peking möglicherweise 30 bis 40 sein werden", erklärte Rogge. Das IOC hatte aber vorgesorgt und die Internationalen Verbände und Nationalen Olympischen Komitees aufgefordert, die Kontrollen in den Wochen vor Beginn der Spiele zu verstärken. Die Maßnahme griff offenbar, jene 39 Ertappten zählt Rogge deshalb indirekt auch zur Peking-Bilanz. Dies zeigt, dass also nach wie vor gedopt wird, dank der Präventionsmaßnahmen gelang es aber offenbar, die Sommerspiele relativ sauber zu halten. "Die überwältigende Mehrheit der Athleten ist sauber, eine kleine Minderheit betrügt", resümierte also der IOC-Boss.

Dass Weltrekordleistungen auf dem laufenden Band von Sprinter Usain Bolt und Schwimmer Michael Phelps aber auch Nahrung für die Zweifler sind, liegt in der Natur der Sache und in der dopingversuchten Vergangenheit und auch Gegenwart gewisser Sportarten begründet. "Man darf nicht vergessen, dass Phelps und Bolt Ausnahmeathleten sind. Skepsis ja, Verdacht nein", hatte Bach jedoch gewarnt. "Es sind Superleistungen von Bolt. Es gibt nicht irgendein Anzeichen von irgendetwas. Man muss zur Kenntnis nehmen, dass es immer wieder Ausnahmesportler gibt. Und das Pendant zu Bolt ist Phelps", hatte Holdhaus gemeint. Der Kommentar des deutschen Sprinters Tobias Unger, der im Bezug auf Bolt von einer "Riesenverarschung" sprach, hat weniger Zustimmung bekommen, als man vielleicht erwartet hätte.

Die bisher bekannten sechs Dopingfälle der Sommerspiele von Peking sind die ukrainische Siebenkämpferin Ludmilla Blonska (Anaboles Steroid/Methyltestosteron), der nordkoreanische Schütze Kim Jong-Su (Betablocker/Propranolol), die griechische Hürdenläuferin Fani Halkia (Steroid/Methyltrienolon), die spanische Radfahrerin Maria Isabel Moreno (EPO), die vietnamesische Turnerin Thi Ngan Thuong Do (Diuretikum/Furosemid) und der ukrainische Gewichtheber Igor Rasoronow (Steroid/Nandrolon). (APA)

 

 

Kommentar posten
20 Postings
virginia plain
00
27.8.2008, 19:51
alle dopen

das gehört einfach mittlerweile zum training dazu.

interessantes interviem zum thema:

http://wissen.spiegel.de/wissen/do... llen=&vl=0

mike sierra
00

nicht noch mal aufgewärmt!!!

mag stimmen oder nicht, aber:
"Der Unterschied zwischen 10,0 und 9,7 Sekunden (Anm: beim 100m-Lauf) sind die Drogen" von einem, der die 100m wahrscheinlich noch nicht einmal 13 sec. gelaufen ist, klingt natürlich super glaubwürdig. Vielleicht kann er Doping-Mittel verkaufen - mit solchen Sprüchen - aber er deswegen noch kein LA-Trainer, der über Leistungsgrenzen im Spitzensport Bescheid weiß.

pascale
00
26.8.2008, 09:25
In der Aufzählung

fehlt z.B. der deutsche Springreiter Ahlmann der sein Pferd gedopt hat.

Kyaw Ni
00
26.8.2008, 00:15
acht jahre...

...werden die proben für mögliche spätere untersuchungen aufbewahrt. fragt sich nur, wo und wie gesichert. weiß da vielleicht jemand etwas über dieses rhema. gerüchteweise sollen sie in china aufbewahrt werden. na dann...

Schwamm Drüber
00
25.8.2008, 19:25
Ziemlich saubere Spiele

bin gespannt wie das ergebnis in acht jahren aussieht. so lange werden ja alle dopingproben aufgehoben um sie ggf. mit neuen methoden auf bisher nicht bekannte substanzen untersuchen zu können. ich bin überzeugt dass da noch einiges gefunden werden wird.

franz winterleitner
00
25.8.2008, 15:58
...

...was mich so ärgert ist, daß " unschuldig ?????verdächtigte" !!! wie die Graf im ORF ihre Kommentare gegen viel Geld abgeben. Ist keine Vorbildwirkung.

boro boros
 
01
25.8.2008, 14:56

ja, die pickeligen chinesen waren sicher allesamt clean. gaaaanz sicher!

Christ Kind
00
25.8.2008, 13:48
dem Rogge

und seinen Lakaien gehoert ordentlich ane oweghaut fuer die Verarsche.

Max Mostly
00
25.8.2008, 13:31
wer's glaubt

johngillis
00
25.8.2008, 11:55

dass es auch doping gibt, das man nicht nachweisen kann wird in dem artikel nicht erwähnt...

Klaus Walter
02
25.8.2008, 11:50

die überschrift ist falsch !! Denn es besteht nämlich KEIN zweifel daran , dass prakt. alle medaillengewinner dopen (nur nun halt klüger und mehr im training als im wettkampf) - das mit der Verarsche stimmt schon !!

Captain Smoker
14
24.8.2008, 20:39
Falscher Schluß.

Man muß aus diesen olympischen Spielen eher den Schluß ziehen, dass es immer weniger "dumme" Sportler gibt die billige Mittel einsetzen die schon nachweisbar sind. Die großen Nationen mit Geld und Macht im Hintergrund scheinen es sich dafür perfekt gerichtet zu haben.

falkenhayn
00
24.8.2008, 16:56

Wer's glaubt ...

Ano
00
24.8.2008, 15:02
Nichts als Hohn!

Das bei den Spielen kein Chinese oder Amerikaner erwischt wurde, ist nichts als blanker Hohn.

In dem jetzigen Zustand der Spiele wäre es am besten das IOC aufzulösen, einen Neustart versuchen oder die Idee zu begraben!

eineinhalb drittel von 100
02
24.8.2008, 12:34
7 sekunden!!!! verbesserung der eigenen bestmarke in 2 monaten ...

200m brust der damen.

klar ist das ohne doping möglich ...

Sepp Blatt
41
24.8.2008, 13:56
na sicher ist es möglich

wenn auch nicht unbedingt sehr wahrscheinlich. ohne genauere hintergründe ist diese anschuldigung aber eher haltlos. vielleicht ist sie noch nicht so lang dabei, war verletzt oder hat die disziplin erst kürzlich gewechselt. oder es ist ihr der knopf aufgegangen, ...

Tomchen
20
24.8.2008, 20:50

Für alle Ausdauersportler gelten andere Gesetze. Schuldig bis das Gegenteil bewiesen wurde!

eineinhalb drittel von 100
02
24.8.2008, 14:27
sie war weder verletzt noch hatte sie die disziplin gewechselt!

wiki: Sara N. ist Spezialistin für die Bruststrecken. Mehrfach stellte sie norwegische Rekorde auf. Bei internationalen Großereignissen konnte die Norwegerin bis 2008 keine nennenswerten Erfolge erzielen. Ihren Durchbruch hatte sie erst während der Olympischen Sommerspielen 2008 in Peking.

amore motore agip
10
24.8.2008, 12:29

da kann man wieder einmal sehen, welche athleten minderbemittelt sind und welche länder sich um ihre leute kümmern und sie unterstützen. die ukraine kriegt den konstrukteurstitel jedenfalls schon mal nicht..

John Wayne Geilo
00
25.8.2008, 10:03

oder aber welche nationen genug geld für gutes doping haben...

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