Gold nach einem 118:107 gegen Spanien - NBA-Stars wurden im Finale deutlich mehr gefordert als im gesamten Turnierverlauf
Peking - Es war ein würdiges Finale, und dennoch war der Sieger der, den alle erwartet hatten. Das Starensemble der USA wurde seiner Favoritenrolle im olympischen Basketball-Turnier der Herren gerecht. Die US-Amerikaner besiegten in einem hochklassigen Endspiel in Peking Weltmeister Spanien mit 118:107 (69:61) und rehabilitierten sich damit für die Blamage von Athen 2004, als sie lediglich Bronze gewonnen hatten.
Der ungeschlagene Topfavorit war im Endspiel allerdings deutlich mehr gefordert worden als im gesamten Turnierverlauf. Zwei Minuten vor Schluss waren die Spanier lediglich mit 104:108 zurückgelegen, ehe Topscorer Dwyane Wade mit einem Dreipunkter für die Entscheidung sorgte. Der Guard von den Miami Heat erzielte insgesamt 27 Punkte. Superstar Kobe Bryant steuerte weitere 20 Zähler für die USA bei, 13 davon alleine im Schlussviertel.
Großartiges Spiel der Spanier
"Das ist wichtiger und viel spezieller als jede Meisterschaft, die irgendjemand von uns in Zukunft gewinnen wird", sagte Bryant, der am Vortag neben dem Triumph der US-Basketball-Damen auch seinen 30. Geburtstag gefeiert hatte. Als erster Gratulant zum Olympiasieg stellte sich Pau Gasol ein. Spaniens Superstar spielt mit Bryant in der NBA bei den Los Angeles Lakers. "Auch Silber ist gut. Wir haben ein großartiges Spiel gemacht", betonte Gasol, mit 19,4 Punkten pro Spiel bester Werfer des Turniers.
Acht Jahre hatten die USA seit Sydney auf ihren 13. Olympiasieg bei den Basketball-Herren gewartet. Mit einem Starensemble, das nicht einmal den Vergleich mit dem legendären "Dream Team" von 1992 in Barcelona scheuen musste, waren sie nach Peking gereist, um sich für die Schmach von Athen zu rehabilitieren. Das von College-Trainer Mike Krzyzewski betreute "Redeem Team" vermochte dank physischer Überlegenheit auf voller Länge zu überzeugen.
Jubel auf beiden Seiten
Die NBA-Stars ließen sich vom Olympia-Fieber anstecken, jubelten wie kleine Kinder über Gold. "Ich kann es gar nicht glauben. Es ist ein Traum", sagte LeBron James. In Peking hatten Bryant, James und Co. eine wahre Hysterie ausgelöst, ist Basketball doch nicht zuletzt dank Chinas Volksheld Yao Ming eine der führenden Sportarten. Am Ende jubelten beide Finalisten, denn die Spanier hatten dem Topfavoriten in einem hochklassigen Finale alles abverlangt.
Die spanischen Medien feierten die Niederlage des Weltmeisters gar als die beste Leistung in der Geschichte des spanischen Basketballs. Rudy Fernandez führte die Spanier mit 22 Zählern an, Pau Gasol steuerte weitere 21 Punkte bei. Der erst 17-jährige Spielmacher Ricky Rubio holte sich als jüngster Basketballer der Geschichte olympisches Edelmetall, zudem sorgte Juan Carlos Navarro mit spektakulären Aktionen immer wieder für Probleme in der US-Defensive.
"Sie haben uns das Leben schwer gemacht, aber ich bin stolz auf diese Mannschaft", sagte Coach Krzyzewski. "Wir sind nicht das Dream Team, sondern das Team USA." Dieses hatte bis zum Finale kein einziges Olympia-Spiel mit weniger als 20 Punkten Differenz gewonnen. Auch die Spanier waren schon in der ersten Hälfte 14 Zähler zurückgelegen, acht Minuten vor Schluss waren es nach tollem Comeback und einem Dreier von Fernandez nur noch deren zwei.
Bronze holte sich Titelverteidiger Argentinien mit 87:75 gegen Litauen. Ohne den am Knöchel verletzten Superstar Manu Ginobili übernahm Carlos Delfino mit 20 Punkten das Kommando. "Wir wollten für Manu gewinnen. Bronze ist fantastisch, dieses Team hat unglaublich viel Herz", sagte Delfino. Ginobili hatte zwar aufgewärmt, verspürte aber zu große Schmerzen. Der Argentinier hatte sich im ersten Viertel des Halbfinales gegen die USA (81:101) verletzt, bis dahin war er bester Werfer des Turniers gewesen. (APA)