US-Volleyballer entthronten Brasilien

24. August 2008, 09:07
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3:1-Sieg im Finale - Kleinmann: "Das ist, als würde Österreich den Olympia-Abfahrtslauf verlieren" - Bronze an Russland

Peking - Weltligasieger USA hat mit einem 3:1-(-20,22,21,23)-Finalsieg gegen Brasilien am Sonntag in Peking olympisches Gold im Volleyball der Herren geholt. Nach zwei Olympiasiegen in den Beach-Bewerben kürten sich die Amerikaner dadurch endgültig zur Volleyball-Großmacht der Spiele. US-Trainer Hugh McCutcheon, Ex-Coach der Wiener aon Hotvolleys, übermannten im Moment des Triumphs die Gedanken an die private Tragödie. Kurz nach der Eröffnungsfeier am 8. August war sein Schwiegervater von einem Chinesen erstochen worden.

"Es war zu viel für mich, einfach nur unwirklich", gestand der gebürtige Neuseeländer McCutcheon. "Es sind die schwersten Zeiten - und zugleich die besten." Sekunden nach dem entscheidenden Punkt des Endspiels zeigte er mit dem Finger gen Himmel, herzte die Teambetreuer und verschwand dann minutenlang in einem Nebenraum.

Triumph und Tragödie

Der 38-Jährige nutzte seine "Flucht" für ein kurzes Telefonat mit seiner heimgereisten Frau Elisabeth. Diese hatte die Messer-Attacke auf ihre Eltern (ihre Mutter hatte schwer verletzt überlebt) selbst mit ansehen müssen und ihren Mann dennoch überzeugt, zu seinem Team zurückzukehren. In den ersten drei Partien des Olympia-Turniers war McCutcheon noch abwesend gewesen.

Im Endspiel verloren die USA den ersten Satz, wurden aber danach immer stärker. Brasilien, der Olympiasieger von 2004, hatte dem unbedingten Willen der Amerikaner nicht mehr viel entgegenzusetzen. "Hugh ist wie ein Vater für uns. Deshalb könnte ich nicht glücklicher für ihn sein", verriet Angreifer Scott Touzinsky. McCutcheon relativierte hingegen: "Das macht meinen Schwiegervater nicht wieder lebendig. Es ändert nichts."

Dennoch freue er sich über den Erfolg. "Mein Herz schmerzt wegen des schweren Verlustes in unserer Familie, aber ich bin auch sehr stolz auf meine Mannschaft. Das sind zwei einander sehr widersprechende Emotionen und ich versuche, gut mit ihnen umzugehen", meinte der Trainer, der das Team USA zum ersten Olympiasieg seit 1988 in Seoul geführt hatte. Nach Gold 1984 und 1988 sowie Bronze 1992 war dies erst das vierte Olympia-Edelmetall für die amerikanischen Herren.

"Die Amerikaner waren unheimlich aggressiv und sehr gut", betonte ÖVV-Präsident Peter Kleinmann, "ein verlorenes Volleyball-Olympia-Finale ist für Brasilien etwa gleich schlimm, wie für Österreich im Olympia-Abfahrtslauf zu verlieren". Die Italiener, in Athen hinter Brasilien Zweite, gingen erstmals seit 1992 leer aus. Die russische Auswahl war im Bronze-Match in den entscheidenden Szenen nervenstärker und siegte nach nur 73 Minuten verdient.

Brasilien dagegen vergab mit der Final-Pleite die Chance auf den ersten Doppel-Erfolg einer Nation bei einem olympischen Volleyball-Turnier seit 28 Jahren. Am Samstag war das Damenteam noch mit einem 3:1 gegen die USA erfolgreich gewesen. (APA/Reuters/dpa)

 

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    Die US-Volleyballer jubeln über Olympia-Gold

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