Weiter heftige Kritik an Spanair

24. August 2008, 08:45
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Mann von getöteter Stewardess: Keinerlei Kontaktaufnahme durch Fluggesellschaft - Zahl der Opfer auf 154 gestiegen

Madrid - Nach dem schweren Flugzeugunglück auf dem Flughafen Barajas in der spanischen Hauptstadt Madrid gibt es weiter heftige Kritik an der betroffenen Fluglinie Spanair. Der Ehemann einer getöteten Stewardess warf dem Management von Spanair in einem von der Tageszeitung "El Mundo" veröffentlichten Brief vor, dass es seitens der Firma noch keinerlei Kontaktaufnahme mit den Angehörigen der ums Leben gekommenen Besatzungsmitglieder gegeben habe.

Keine Unterstützung bei Erledigung der Formalitäten

Seitens von Spanair habe auch keinerlei Unterstützung bei der Erledigung der traurigen Formalitäten gegeben, kritisierte der Ehemann von Susana Marin Ramos, die ein eineinhalbjähriges Kind hinterlässt. "Ich frage mich, ob eine Firma mit 4.000 Beschäftigten keine Abteilung hat, die in der Lage ist, sich mit den Angehörigen von neun Mitarbeitern in Kontakt zu setzen, die bei einem Arbeitsunfall ums Leben gekommen sind."

Bereits in den vergangenen Tagen waren schwere Vorwürfe gegen die Fluggesellschaft laut geworden. Weitere Angehörige warfen Vertretern der Fluggesellschaft mangelnde Sorgfalt bei der Wartung der Maschinen vor. "Viele von uns erhielten vor dem Absturz von unseren Verwandten SMS aus dem Flugzeug, dass mit der Maschine etwas nicht stimmte", sagte beispielsweise einer der Hinterbliebenen.

Zahl der Opfer nach Absturz in Madrid gestiegen

Drei Tage nach dem Absturz hat sich die Zahl der Todesopfer am Samstag weiter erhöht. Wie der staatliche spanische Rundfunk RNE am Samstagabend berichtete, erlag eine Frau im Krankenhaus ihren schweren Verletzungen. Damit kamen beim Absturz der zweistrahligen Maschine vom Typ MD-82 am Mittwoch auf dem Madrider Flughafen Barajas insgesamt 154 Menschen ums Leben, darunter fünf Deutsche. 18 Menschen überlebten die Katastrophe.

Innenminister Alfredo Pérez Rubalcaba kündigte an, dass die Identifizierung der Toten - bis auf wenige Ausnahmen - noch an diesem Wochenende abgeschlossen werden solle. Bei den Opfern aus dem Ausland könne die Feststellung der Identität etwas länger dauern, weil genetisches Material für den DNA-Abgleich beschafft werden müsse.

Panne an einem Außentemperaturfühler

Bei der Untersuchung der Unglücksursache wurde ein Techniker, der die Unglücksmaschine zum Start freigegeben hatte, von einer Expertenkommission und von der Polizei vernommen. Er sagte nach Medienberichten aus, dass das Flugzeug vor dem Unglück einen Start wegen einer Panne an einem Außentemperaturfühler abgebrochen habe. Daraufhin sei der Fühler gemäß den Vorschriften abgestellt worden. Mit dem Absturz könne dies nichts zu tun haben.

Aufgrund von Augenzeugenberichten war man davon ausgegangen, dass beim Start ein Triebwerk der zweistrahligen Maschine in Brand geraten war. Diese Annahme wurde durch ein Video jedoch infrage gestellt. Nach Angaben der Zeitung "El Mundo" erwägen die Experten nun zwei andere Hypothesen: Entweder lösten sich von einem Triebwerk beim Start Teile, die das Leitwerk beschädigten; oder die Maschine erlitt an beiden Motoren einen plötzlichen Leistungsabfall. Das Flugzeug hatte laut Wetteramt beim Start leichten Rückenwind, was das Abheben erschwert.

Erste Begräbnisse

Die ersten Opfer wurden in ihren Heimatorten in verschiedenen Regionen Spaniens beigesetzt. Tausende von Menschen erwiesen den Toten die letzte Ehre. Ärger gab es um die offizielle Trauerfeier, die am 1. September in der Madrider Almudena-Kathedrale stattfinden wird. Protestanten und Muslime beklagten, dass die Feier als katholischer Gottesdienst abgehalten werden soll. Das Flugzeugunglück beschäftigt auch das spanische Parlament. Verkehrsministerin Magdalena Alvarez wird die Abgeordneten am kommenden Freitag über die Katastrophe unterrichten. (APA)

 

 

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