Tibeter fürchten nach Olympia Rache Chinas

23. August 2008, 20:47
29 Postings

Gemeinschaft in Österreich gedenkt mit religiösen Niederwerfungen der Opfer der Gewalt

Wien - Mit einer religiösen "Niederwerfungszeremonie" gedachten die Tibeter in Österreich am Samstagabend der Opfer von Gewalt und Unterdrückung in China. Gemäß der buddhistischen Tradition zogen etwa 15 Tibeter und ihre Freunde, eingehüllt in Tibet-Fahnen, mit traditionellen Niederwerfungen vom Wiener Stephansplatz zum Buddhistischen Zentrum am Fleischmarkt. Etwas später versammelten sich vor der Botschaft Chinas in Wien-Landstraße Sympathisanten Tibets, um im Zuge einer weltweiten Aktion "Candle for Tibet/Licht für Tibet" am Vorabend der Beendigung der Olympischen Spiele in Peking Kerzen zu entzünden.

"Interreligiöse Symbolik"

Tseten Zöchbauer, die Präsidentin der Tibeter Gemeinschaft Österreich (TGÖ), hob die "interreligiöse Symbolik" der Niederwerfungszeremonie hervor. Nicht zufällig wurde vor dem Stephansdom, dem christlichen Wahrzeichen Wiens, begonnen, sagte sie zur APA. Es gehe um die "spirituelle Mobilisierung von Laien in Österreich. Wir nützen alle unsere Ressourcen." Insgesamt werden 21.000 Niederwerfungen "gesammelt", die sich an die Schutzgöttin Tara richten. In einer Aussendung von "Save Tibet" heißt es zu der Initiative in Österreich: "Diese Niederwerfungen sind allen Menschen gewidmet, die unter Gewalt und Unterdrückung leiden." Auf einem Transparent wurde "Freiheit für die von China gefangenen, gefolterten und unterdrückten Tibeter in Tibet" gefordert.

"Candle for Tibet"

Weltweit entzünden unterdessen am selben Abend - um 21:00 h Ortszeit - zahlreiche Menschen im Zeichen der Aktion "Candle for Tibet" vor chinesischen Botschaften Lichter und halten Lichtermärsche ab. Die in Österreich beheimateten Tibeter-Organisationen ziehen mit Fackeln und Kerzen von der Botschaft Chinas in der Metternichgasse zum Michaelerplatz. In der Himmelpfortgasse 13 (1.Stock) wird dann der Film "Leaving Fear Behind" vorgeführt, der heimlich in Tibet gedreht und vor den Aufständen im März herausgeschmuggelt wurde. Darin erzählen Menschen in Tibet, was sie über die chinesische Herrschaft, die Olympischen Spielen und den Dalai Lama denken.

Protestzelt am Schwedenplatz

Am Sonntag (bis 31. August) treten dann einige Repräsentanten der Tibet-Organisationen in einem Protestzelt am Schwedenplatz in den Hungerstreik, unter ihnen die TGÖ-Präsidentin. Den Beginn dieses Fastens markiert um 18:00 Uhr ebenfalls eine interreligiöse Zeremonie gegen die Unterdrückung. Menschenrechtsaktivisten, Politiker, Vertreter der Religionen und Bürger sind aufgerufen, sich mit der Aktion zu solidarisieren. Das Büro des Dalai Lama, des tibetischen Exil-Oberhaupts, rief für 30. August zu einem weltweiten Zwölf-Stunden-Fasten für Tibet auf.

Hinter den Aktivitäten rund um den Abschluss der Olympischen Spiele stehen die Ängste der Tibeter, dass China an ihnen Rache üben werde, sobald die Aufmerksamkeit der Weltöffentlichkeit nicht mehr auf Peking ruht. Beobachter fürchten, dass die chinesische Regierung dann "härter denn je durchgreifen und das tibetische Volk für die Aufstände im Vorfeld der Spiele schwer bestrafen wird", meint die Hilfsorganisation "Save Tibet". Die Exil-Tibeter sehen ihre Landsleute in der Heimat in ernster Gefahr.

Laut tibetischen Informationen sind in Schulen und Klöstern Tibets rigorose patriotische Umerziehungskampagnen, Verhaftungen und Einschüchterungsmanöver im Gang. Mönche würden zur Denunzierung des Dalai Lama aufgefordert. Tibeter verschwänden spurlos, die Präsenz des chinesischen Militärs habe sich auch in den kleinen Ortschaften verdreifacht. Die Mönche, die vor den Olympischen Spielen in Lhasa zu ausländischen Journalisten sprachen, seien trotz der Versprechungen Pekings hinterher verhaftet und gefoltert worden. (APA)

 

Share if you care.