Tia Hellebaut sorgte mit Überaschungssieg im Hochsprung für das erste Gold Belgiens in Peking - Bekele dominiert Langstrecken - Thorkildsen gewinnt Speerwurf
Peking - Am letzten Tag der Leichtathletik-Stadionbewerbe der Olympischen Spiele in Peking hat es keinen weiteren Weltrekord gegeben. Für die herausragenden Leistungen im "Vogelnest" am Samstag sorgten Speerwerfer Andreas Thorkildsen und Kenenisa Bekele, der mit dem Sieg über 5.000 m wie seine äthiopische Landsfrau Tirunesh Dibaba das Langstrecken-Double gelang. Bekele und Thorkildsen stellten olympische Rekorde auf. Im Hochsprung der Frauen scheiterte Topfavoritin Blanka Vlasic an der Belgierin Tia Hellebaut, die 2,05 m im ersten Versuch schaffte.
Hellebaut, die ehemalige Siebenkämpferin, schaffte 2,05 im ersten Sprung, Vlasic erst im zweiten Versuch. An 2,07 scheiterten beide. Für die Weltmeisterin aus Kroatien war es die erste Niederlage nach 34 Siegen nacheinander. Das Unheil für Vlasic nahm seinen Lauf, als sie bei 2,05 im ersten Verschuch die Latte riss. Zuvor hatte sie alle Höhen auf Anhieb geschafft. Die 30-jährige Hellebaut übersprang die 2,05 auf Anhieb - ein neuer Landesrekord. Vlasic erhöhte auf 2,07, riss jedoch dreimal deutlich. Bronze ging an die Russin Anna Schischerowa (2,01 m). Hellebaut sorgte mit ihrem Sieg am vorletzten Wettkampftag für das erste belgische Gold bei den Spielen. 1963 hatte zuletzte ein belgischer Leichtathlet bei den Spielen gewinnen können.
Thorkildsen hielt die finnische Armada in Schach und gewann mit dem ersten 90-Meter-Wurf des Jahres die hochkarätige Speerwurfkonkurrenz überlegen. Der 26-jährige Titelverteidiger fixierte mit 90,57 m neue Bestleistung bei Olympia und ließ Ainars Kovals (LAT/86,64) und Tero Pitkämäki (FIN/86,16) deutlich hinter sich. Auf Platz vier und fünf folgten mit Tero Järvenpää und Teemu Wirkkala zwei weitere finnische Werfer.
Bekele-Doppel
Bekele, der schon über 10.000 m Gold abgeräumt hatte, gewann nach
einem Tempodiktat auf den letzen drei Kilometern in starken 12:57,82
Minuten auch das 5.000-m-Rennen. Hinter dem Weltrekordhalter liefen die
Kenianer Eliud Kipchoge (13:02,80) und Edwin Cheruiyot Soi (13:06,22)
ein. Bernard Lagat (USA), Doppel-Weltmeister von Osaka, war wie über
1.500 m nicht in der Lage, mit der Spitze mitzuhalten, und wurde nur
Neunter.
Für den 26-jährigen Bekele war es nach Gold über die lange Distanz
vor vier Jahren in Athen der dritte Olympiasieg. Er ist nach dem legendären Emil Zatopek (1952 in Helsinki ), Wladimir Kuts aus
der UdSSR (1956 in Melbourne), dem Finnen Lasse Viren (1976 in Montreal
) und seinem Landsmann Miruts Yifter (1980 in Moskau) der fünfte
Läufer, der das olympische Langstrecken-Double schaffte.
Über 800 m der Männer triumphierte Wilfred Bungei aus Kenia in
1:44,65 Minuten. Der Olympia-Fünfte von Athen führte das Feld vom Start
weg an und hatte auch noch auf Schlussgeraden, wenn auch denkbar knapp,
die größten Reserven. Knapp hinter Bungei stürmten der Sudanese Ismail
Ahmed Ismail (1:44,70) und Weltmeister Alfred Kirwa Yego (KEN/1:44,82)
über die Ziellinie. Titelverteidiger Juri Borsakowski (RUS) war bereits
im Halbfinale ausgeschieden.
In Abwesenheit der wegen Dopings suspendierten Russinnen Jelena
Sobolewa und Tatjana Tomaschowa brachte das Frauen-Rennen über 1.500 m
mit dem Sieg der Kenianerin Nancy Jebet Langat (4:00,23 Min.) eine
Überraschungssiegerin. Die große Favoritin Maryam Yusuf Jamal aus Brunai
hatte dem Schlusssprint der Konkurrenz nichts entgegenzusetzen. Hinter
Langat holten die beiden Ukrainerinnen Irina Lischtschynska und
Natalija Tobias die weiteren Medaillen. Weltmeisterin Jamal, eine
gebürtige Äthiopierin, wurde lediglich Fünfte. Der Erfolg von Langat bedeutet das erste Olympia-Gold für Kenia über diese Distanz.
Comeback der US-Staffeln
Die Staffeln über 4 x 400 m brachten Siege für die USA. Im Damen-Rennen wetzte Sanya Richards die Scharte aus dem Einzel aus und sicherte dem US-Quartett als Schlussläuferin vor Russland und Jamaika die erfolgreiche Titelverteidigung. Bei den Männern waren die US-Läufer ebenfalls nicht zu schlagen und gewannen in olympischem Rekord überlegen vor den Bahamas und Großbritannien.
Am Sonntag bildet der Marathon der Herren den Abschluss der olympischen Leichtathletik-Bewerbe. Die USA hielten trotz ihres Sprint-Debakels bisher mit sieben Goldmedaillen vor Russland und Jamaika (je 6) knapp Platz eins der erfolgreichsten Nation. (APA/red)