Keine Grundlage für "Rassen" in der Medizin

22. August 2008, 19:57
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Begriff in angloamerikanischer Welt noch recht präsent: Unterschiedliche Hautfarben hätten aber keine Aussagekraft, meint nun Genomik-Pionier Craig Venter

Rockville – Anders als in Kontinentaleuropa ist in der angloamerikanischen Welt der Begriff der "Rassen" immer noch recht präsent. So wird in den USA mit Bezug auf die Hautfarbe auch in offiziellen Dokumenten zwischen kaukasischer, asiatischer und afrikanischer Rassenzugehörigkeit unterschieden. Medizinisch bzw. genetisch betrachtet haben unterschiedliche Hautfarben aber keine Aussagekraft, meint nun Genomik-Pionier Craig Venter mit Kollegen seines Instituts in Rockville Maryland.

Für einen Kommentar im Fachmagazin Clinical Pharmacology and Therapeutics (Bd. 84, S. 306) haben die Forscher sechs Abschnitte im Erbgut von James Watson und eben Craig Venter genauer verglichen – also von jenen beiden Wissenschaftern, die als erste Menschen ihr komplettes Genom sequenzieren und veröffentlichen ließen.

Dabei zeigte sich unter anderem am Gen namens CYP2D6, das bestimmt, wie manche Antipsychotika, Antidepressiva und das Krebsmittel Tamoxifen wirken, besonders große Unterschiede. Watson besaß hier zwei Kopien einer Mutation: Bei ihm würde der Wirkstoff Codein keinen schmerzlindernden Effekt haben, wie die Forscher herausfanden.

Für Venter ist – womöglich im Gegensatz zu seinem Kollegen Watson – aus diesem Grund klar, dass "eine rassenbasierte Medizin keine wissenschaftliche Grundlage" habe, wie er gegenüber dem Magazin New Scientist verlauten ließ. (tasch/DER STANDARD, Print-Ausgabe, 23./24.8. 2008)

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