"Es ist zur Schädigung der Uni gekommen"

22. August 2008, 19:53
32 Postings

Die Uni-Rats-Vorsitzende der Med-Uni Innsbruck sagte im STANDARD-Interview, dass Wirtschaftsprüfer "besorgniserregende" Zustände in der Finanzgebarung des Ex-Rektors feststellten

STANDARD: Rektor Clemens Sorg wurde vom Uni-Rat am Donnerstag ohne Gegenstimmen abberufen. Gab es Stimmenthaltungen?

Fischer: Die Abstimmung ist eindeutig ausgegangen. Genauer möchte ich das nicht ausführen.


STANDARD: Kam es bei der Sitzung zu Diskussionen?

Fischer: Nein. Wir wären in den letzten Monaten sehr bemüht gewesen, die Situation im Sinne der Uni anders zu lösen. Leider hat es aber kein Einlenken des Rektors gegeben. Im Gegenteil, es ist zu einer Schädigung der Uni und des Wissenschaftsstandorts Österreich gekommen. Und mir ist wichtig zu betonen, dass die Abberufung in keinerlei kausalem Zusammenhang mit dem Ages-Bericht zur umstrittenen Inkontinenz-Studie steht. Es gab den Verdacht eines wissenschaftlichen Betruges. Daher ist die Ages beauftragt worden, das zu prüfen. Deren Bericht ist letzte Woche Donnerstag vorgelegen, und wir haben Sorg dazu aufgefordert, den Bericht der Staatsanwaltschaft weiterzuleiten. Das ist das einzig Richtige. Die Gerichte sollen sich nun damit befassen. Es wurde in einer Zeitung angedeutet, wir würden da etwas vertuschen wollen. Es ist weder das richtig, noch steht die Abberufung damit im Zusammenhang.


STANDARD: Wie lauten die Vorwürfe gegen Rektor Sorg konkret?

Fischer: Es sind prioritär Pflichtverletzungen in der Finanzgebarung aufgetreten. Wir haben Wirtschaftsprüfer veranlasst, Sonderprüfungen in speziellen Bereichen durchzuführen. Nachdem wir haften, haben wir diese beantragt, und dem ist monatelang nicht nachgegangen worden. Als es dann endlich Prüfungen gab, war das Ergebnis besorgniserregend. Es wird nun auch noch weitere Prüfungen geben. Ein anderer Punkt ist die Verletzung der Auskunfts- und Vorlagepflicht. Geschäftsagenden der Uni müssen dem Uni-Rat vorgelegt werden. Das ist nicht passiert. Der Uni-Rat hat die Verpflichtung und das Recht, sich über sämtliche Agenden der Uni zu informieren. Dem ist der Rektor wiederholt nicht nachgekommen. Seit Juli steht Sorgs Abberufung im Raum, und es ist nicht gelungen, ein einlenkendes Verhalten von ihm zu erzielen. Im Gegenteil: Es ist zu einer Fehlinformation der Medien gekommen. Der Rektor war über alle Punkte der Pflichtverletzung und des Vertrauensverlustes informiert, was in manchen Medien falsch dargestellt wurde.


STANDARD: Was sagen Sie zu dem angeblichen Plan für eine Privatklinik in Lans von Uni-Räten und Urologen der Uni Innsbruck?

Fischer: Das ist Teil der intendierten Fehlinformation. Niemand aus unserem Gremium hat in einer Beratungsfunktion mit diesem Plan zu tun.


STANDARD: Wie schätzen Sie den Schaden für den Ruf der Uni Innsbruck ein?

Fischer: Ich glaube, dass Sorgs Verhalten irritierend war und es zu einer Schädigung des gesamten Wissenschaftsstandorts Österreichs gekommen ist. In Innsbruck, in ganz Österreich arbeiten hervorragende Forscher im medizinischen Bereich.


STANDARD: Wie geht es nun an der Spitze der Uni weiter?

Fischer: Der Vizerektor (Manfred Dierich, Anm.) ist, wie in der Geschäftsordnung festgelegt, interimistischer Vertreter. Die Stelle wird im Oktober ausgeschrieben. (Gudrun Springer, DER STANDARD-Printausgabe, 23./24. August 2008)

 

Zur Person

Gabriele Fischer (48) ist Uni-Rats-Vorsitzende der Med-Uni Innsbruck, Fachärztin für Psychiatrie & Neurologie und in der Suchtforschung an der Med-Uni Wien tätig.

  • Gabriele Fischer vom Innsbrucker Med-Uni-Rat sagt, Rektor Sorg habe mehrmals seine Auskunfts- und Vorlagepflicht verletzt
    foto: standard/cremer

    Gabriele Fischer vom Innsbrucker Med-Uni-Rat sagt, Rektor Sorg habe mehrmals seine Auskunfts- und Vorlagepflicht verletzt

Share if you care.