Kluger Kopf auf beweglichen Beinen

22. August 2008, 20:15
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Zwei neue Untersuchungen an Elefanten fördern Erstaunliches zutage: Die Tiere können ziemlich gut rechnen und sie bewegen sich eleganter als vermutet

Tokio/London – Aisha ist echt nicht blöd. Wenn man der asiatischen Elefantendame nämlich zwei Körbe hinstellt, zuerst drei Äpfel in den einen und einen Apfel in den anderen gibt und danach zum einen vier und in den anderen fünf Äpfel dazu, dann weiß Aisha immer noch, wo mehr drin ist.

Naoko Irie-Sugimoto von der Universität Tokio fand bei ihren Untersuchungen heraus, dass auch andere Elefanten bei diesen und ähnlichen Tests zu 74 Prozent die richtigen Körbe wählten. Dass Tiere über ein basales Zahlenverständnis verfügen, ist an sich nichts Neues und wurde auch schon bei Schimpansen, Tauben und sogar Salamandern gezeigt.

Das Besondere bei den Elefanten ist freilich, dass sie nicht nur zwischen eins und fünf richtig unterscheiden können, sondern auch bei knappen Abständen wie zwischen fünf und sechs zumeist richtig liegen.

Warum zumindest asiatische Elefanten so gut rechnen können, ist für die Forscher nicht so ganz klar: Dies könnte ein Nebenprodukt der evolutionären Entwicklung hin zu einem größeren Hirn sein, vermutet Irie-Sugimoto, die ihre neuen Erkenntnisse kürzlich bei der Jahrestagung der Internationalen Gesellschaft für Verhaltensökologie in Ithaca präsentierte.

Ihre Kollegin Mya Thomson von der Cornell University in den USA vermutet wiederum, dass das Rechenvermögen mit der Herdengröße bei asiatischen Elefanten zu tun haben könnte. Die leben nämlich in Kleingruppen von sechs bis acht Tieren. "Und man wolle ja nicht den Anschluss zu seinen Gruppenmitgliedern verlieren."

Neben der Rechenfähigkeit helfen den Elefanten dabei freilich auch ihre oft unterschätzten läuferischen Qualitäten, die Forscher um John Hutchinson vom Royal Veterinary College in London unter die Lupe genommen oder genauer: mit einer Infrarotkamera aufgenommen haben. Das Forscherteam befestigte an den Vorder- und Hinterbeinen von acht asiatischen und sieben afrikanischen Elefanten Marker aus Infrarotlicht reflektierendem Klebeband und filmten ihre Bewegungsabläufe bei Geschwindigkeiten zwischen zwei und 17 Kilometern pro Stunde. Dabei zeigte sich, wie die Forscher nun im Journal of Experimental Biology (Bd. 211, S. 2735) berichten, dass die Tiere den Spielraum ihrer Gelenke beinahe komplett ausnutzen und fast genauso beweglich sind wie trabende Pferde. Beide Elefantenarten unterschieden sich hierbei nicht voneinander.

Elefanten haben es also nicht nur im Kopf, sondern auch in den Beinen, die zwar schwerfällig wirken, in Wahrheit aber durchaus leichtfüßig sind. (Klaus Taschwer/DER STANDARD, Print-Ausgabe, 23./24.8.2008)

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Journal of Experimental Biology: Elephants are not so inflexible after all

 

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    Foto: APA/dpa/Matthias Hiekel

    Flinke Rechner: Elefanten haben einen Sinn für Zahlen und sind fast so beweglich wie Pferde.

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