DAG: Heutzutage

22. August 2008, 19:23
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Wer heutzutage sagt, dessen Tage waren gestern

Grundlos alt geworden ist man schnell. Aber es bedarf schon einiger Anstrengung, sich beim Soeben-Altwerden zu erwischen. Denn wenn das Alter eintritt, ist man zumeist gerade damit beschäftigt, der nächsten Generation zu erklären, warum sie so dreinschaut, wie sie dreinschaut, (gelangweilt): weil nämlich die Werte verlorengegangen sind. Nicht die Werte ihrer iPod-Ohrstöpsel, mittels derer sie sich am Höhepunkt ihrer Langeweile aus unserer Wertedebatte ausblenden, sondern die Werte, auf die es ankommt, wovon wir Bände erzählen können, weil wir selbst dabei waren, als diese Werte noch etwas wert waren, damals.

Da sie auf die Nachspeise warteten und Ohrstöpselverbot herrschte, erfuhren die Töchter unseres Freundes jüngst erbarmungslos, was nur was kostet und was auch was zählt im Leben, (was sie nicht wissen konnten, weil sie erst 16 und 18 Jahre dabei waren).

Da geschah es. Unser Freund setzte zum fünften Mal infolge mit "heutzutage" an, als er sich selbst dabei ertappte: Wer "heutzutage" sagt, dessen Tage waren - gestern. Mit anderen Worten: "Ich glaube, ich werde alt." Die Töchter nickten. (Daniel Glattauer/DER STANDARD, Print-Ausgabe, 23./24.8.2008)

 

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