Im Zeichen des Schafskopfs

22. August 2008, 19:16
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Die Queen trägt ein Diadem, die Tiara ist die dreifache Krone des Papstes

Die motorisierte Welt klagt über den Benzinpreis. Umweltschützer halten dagegen, es werde ohnehin zu viel gefahren und die Autos verbrauchten zu viel. Mit uns stößt man in ganz andere Dimensionen vor. Im Automobilteil präsentierten wir am 8. August den neuen Volkswagen Passat, und wir versäumten nicht, unsere Ökowertung anzufügen. Demnach verbraucht das Auto im Stadtverkehr 210,4 Liter pro 100 Kilometer. Da kann von einer Ökowertung eigentlich nicht mehr die Rede sein. Es war ein simpler Tippfehler, tatsächlich verbraucht die Limousine 10,4 Liter pro 100 in der Stadt gefahrenen Kilometern.

Eine vergnügliche Reise in die Vergangenheit hat zuletzt Bernd Marin in seiner Kolumne unternommen. Er schreibt von der Zeit, „als ich jung war“, als in der Schule noch keine Kugelschreiber verwendet werden durften – „Bundeskanzler und die Minister waren Respektspersonen. Kurt Waldheim ein geachteter UN-Generalsekretär“. Ohne Frage, als Kind begegnete man damals Politikern mit mehr Ehrfurcht, Kurt Waldheim war allerdings erst von 1972 bis 1982 UN-Generalsekretär. Zur Zeit des Kugelschreiberverbots waren entweder Dag Hammarskjölt (1953 bis 1961) oder Sithu U Thant (1961 bis 1971) in diesem Amt.

Das waren andere Zeiten damals, als es noch Austria-C und die „3er“ in der Trafik gab, keine Spur einer Raucherdiskussion – eine Möglichkeit weniger, straucheln zu können. Und heute? Am 1. August berichtete wir selbstverständlich über die Entscheidung der deutschen Höchstrichter, das Rauchverbot in kleinen Lokalen zu lockern. Der Artikel auf der Titelseite war so überschrieben: „Raucher können aufatmen“. Das ist, bezogen auf das Urteil, zwar nicht falsch, im Gesamtzusammenhang aber eine ziemlich schlechte Wortwahl.

Eine ganz sicher falsche Wortwahl fand sich in einer schon viel früher erschienenen Kurzmeldung. „In Neuseeland sind gefälschte 100-Dollar-Scheine mit einem Schafskopf anstelle des Porträts von Queen Elizabeth II auf dem Markt aufgetaucht“, schrieben wir. Und weiter: „Das Porträt der Queen, die weiterhin Staatsoberhaupt der früheren Kolonie Neuseeland ist“, wurde „durch ein Bild eines Schafskopfs ersetzt. Wie die Queen trägt auch das Schaf auf dem Geldschein eine Tiara.“ Damit war die Fälschung aber offenkundig: Die Queen trägt ein Diadem, die Tiara ist die dreifache Krone des Papstes. Entschuldigend ist anzuführen, dass der Unterschied in der Erinnerung verblassen kann, die Papstkrone hat man schon lange nicht mehr gesehen. Paul VI. verschenkte seine modern gestaltete Tiara im Jahr 1964, seither ließ sich kein Papst mehr auf diese Weise krönen.

Aus gegebenem Anlass sei hier auch noch eine Wahlinformation nachgereicht. Wir informierten sorgsam, wie man zu einem NR-Wahlkandidaten werden kann: „Wer bei einer Nationalratswahl kandidieren möchte, muss (...) drei Unterschriften eines Abgeordneten (...) sammeln.“ Eine recht einfache Sache: Wenn man so einen Abgeordneten schon einmal bei der Hand hat, soll er halt gleich ein paar Mal unterschreiben. Es ist ja fast ein Zeichen der Bürgerferne, drei Abgeordnete zu finden, die für einen unterschreiben. (Otto Ranftl, DER STANDARD/Print-Ausgabe, 23./24.8.2008)

Sie erreichen Otto Ranftl, den Leserbeauftragten des STANDARD, unter otto.ranftl@derStandard.at oder Leserbriefe@derStandard.at

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