Bauernbund als VP-Personalreserve

22. August 2008, 18:56
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Wenn ein Wirtschaftszweig für 1,7 Prozent des BIP steht, wird um ihn wenig Aufhebens gemacht - außer es handelt sich um die Landwirtschaft. An diesem guten "Standing" ist der Bauernbund maßgeblich beteiligt

Wien - Von allen Teilorganisationen der Volkspartei ist der Österreichische Bauernbund zwar nicht die lauteste, sicher aber der effizienteste. Denn welche Vereinigung kann von sich schon behaupten, bei 190.000 Wirtschaftseinheiten - so viele Bauernhöfe gibt es in Österreich - 300.000 Mitglieder zu haben?

"Stärkster Muskel der Partei"

Der Bauernbund, den die deutsche Wochenzeitung Die Zeit im Vorjahr als den "stärksten Muskel der Partei" bezeichnete, hat mit 30.000 Funktionären ein engmaschiges Netz über die ländliche Bevölkerung gelegt, dem sich dort kaum jemand entziehen kann. "Da sind dann auch oft die Ärzte oder die kleinen Gewerbetreibenden dabei", sagt der Landesobmann von Niederösterreich, Hermann Schultes. Über zielgruppengenaues Marketing, vom leicht erotischen Jungbauern/bäuerinnen-Kalender über vergünstigten Internetanschluss bis hin zu regelmäßigen Vereinsabenden reicht das Spektrum.

Dass diese allumfassende Betreuung auch Schattenseiten haben kann, fällt da häufig nicht auf. Erst, wenn der Landwirt ausscheren will. So geschehen bei Ewald Grünzweil, Gründer der IG Milch, die sich für höhere Milchpreise einsetzt. "Da wurde begonnen, in der Bauern-Zeitung wegen der IG Milch über mich zu schimpfen. Da bin ich ausgetreten."

Oder Leo Steinbichler, der aufgrund seines Engagements bei IG Milch und Fleisch als Bezirksbauernkammer-Obmann von Vöcklabruck den Hut nehmen musste. Er unterstützt jetzt die Liste Dinkhauser.

Geschlossenheit gefragt

Diese Fälle zeigen: Unter dem Dach des Bauernbundes ist es kuschelig, und es wird viel geboten - aber nach außen muss Geschlossenheit gewahrt bleiben. Das Erfolgsrezept der Standesvertretung liegt in der Nachwuchsarbeit, die es mit sich gebracht hat, dass mehr Bauernbündler bis ganz an die Spitze der Partei kletterten als Kader anderer großer Teilorganisationen, vor allem des Wirtschaftsbundes und des ÖAAB: Weil der Bauernhof in der Regel nur von einem Nachkommen übernommen werden kann, wird der Rest der Kinder häufig in die Stadt geschickt, zum Studieren. Und dort schaut der Bauernbund drauf, dass die mannigfachen Verführungen des Stadtlebens die Bauernkinder nicht zu sehr in den Bann ziehen.

Die Akademikerzirkel im Bauernbund, sind sich auch weniger Wohlmeinende einig, sind die Kaderschmiede der ÖVP, wovon eine lange Liste von Politikern und Managern zeugt, die es in der Republik nach ganz oben geschafft haben.

Aktuelle Beispiele sind Wilhelm Molterer und Josef Pröll (wie sein Onkel Erwin), die beide vom Bauernbund-Direktor in hohe Politikerämter wechselten: Molterer wurde direkt VP-Generalsekretär, Pröll Landwirtschaftsminister. Logisch, dass der jetzige Bauernbund-Direktor, der 37-jährige Fritz Kaltenegger, schon unter Beobachtung steht.

Weitere prominente Bauernbündler sind ist der ehemalige EU-Agrarkommissar Franz Fischler und der jetzige Rewe-Vorstand Werner Wutscher. Häufig sind die Bauernbündler an der Spitze von Unternehmen zu finden, die gemeinhin der schwarzen Reichshälfte zugeschrieben werden. Etwa die Bundesforste mit ihrem Vorstand Georg Schöppl, oder der Chef der Agrarmarkt Austria, Günter Griesmayr. (Johanna Ruzicka, DER STANDARD, Print-Ausgabe, 23./24.8.2008)

  • Watch this man: Fritz Kaltenegger (links beim Vienna City Marathon
2008) ist Direktor des Österreichischen Bauernbundes - wie
beispielsweise Wilhelm Molterer oder Josef Pröll vor ihm.

    Watch this man: Fritz Kaltenegger (links beim Vienna City Marathon 2008) ist Direktor des Österreichischen Bauernbundes - wie beispielsweise Wilhelm Molterer oder Josef Pröll vor ihm.

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