Asfinag: Zocken unter Aufsicht

22. August 2008, 17:46
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Nach der ÖBB ist die Asfinag das zweite, mit mehr als zehn Milliarden Euro verschuldete Staatsunternehmen, das Geld der Steuerzahlers verzockt - Von Luise Ungerboeck

Der Zeitpunkt ist von Rechnungshof-Präsident Josef Moser geschickt gewählt. Just im Wahlkampf legt der ehemalige FPÖ-Klubdirektor einen vor zehn Monaten erstellten (und gut abgelegenen) Prüfbericht vor, in dem Verluste aus hochriskanten Fremdwährungskrediten der Autobahnbaugesellschaft Asfinag aufgedeckt werden.

Nach der ÖBB ist die Asfinag damit das zweite, mit mehr als zehn Milliarden Euro verschuldete Staatsunternehmen, das Geld der Steuerzahlers verzockt beziehungsweise Buchverluste produziert hat. Das ist untragbar, gehört abgestellt, und die Manager müssen zur Verantwortung gezogen werden.

Ohne jemanden von dieser Verantwortung exkulpieren zu wollen: Eine differenzierte Betrachtungsweise lohnt dennoch. Im Gegensatz zur Bahn, die mit der Deutschen Bank ohne Not hochkomplexe Wetten auf Kreditausfälle abschloss, die nicht einmal ÖBB-Finanzmanager verstanden (ihnen aber Einmalerlöse und Erfolgsprämien bescherten), ging es bei der Asfinag offenbar um die Sanierung von Altlasten. Denn die Fremdwährungskredite in Milliardenhöhe waren vor zehn Jahren von der Österreichischen Bundesfinanzierungsagentur aufgenommen worden, also jener Staatsagentur, die die Schulden der Republik verwaltet.

2005 wollte man bei halbwegs gutem Wind aus den Swaps heraus, in Euro umschulden und dabei die Bilanz ein bisschen verschönern. Wenn der Rechnungshof nun kritisiert, dass die Asfinag nicht in einem Schritt, sondern in Tranchen aussteigen hätte sollen, weil sie dann nicht 113 Millionen verloren hätte, sondern weniger oder nichts, versteht er vom Zocken auch nicht viel. (DER STANDARD, Print-Ausgabe, 23./24.8.2008)

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