Reporter ohne Grenzen wirft IOC-Chef "beispiellose Feigheit" vor

22. August 2008, 17:37
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Schikanen der chinesische Behörden gegen Journalisten angeprangert - Bush und Sarkozy "Demokraten-Ehre" abgesprochen

Die Organisation Reporter ohne Grenzen (RSF/RSF) hat den IOC-Präsidenten Jacques Rogge zum Schluss der Olympischen Spiele scharf angegriffen. Der Vorsitzende des Internationalen Olympischen Komitees (IOC) habe seit der Vergabe der Spiele an China vor sieben Jahren "eine beispiellose Feigheit" an den Tag gelegt, sagte RSF-Chef Robert Ménard am Freitag bei einer Pressekonferenz in Paris. "Wie soll man Rogge wiederwählen?" Chinesische Sicherheitskräfte hätten während der Olympischen Spiele "mindestens 22 ausländische Journalisten in ihrer Arbeit behindert, aufgehalten oder angegriffen". Mindestens fünfzig einheimische Menschenrechtsaktivisten hätten Peking während der Spiele zudem verlassen müssen.

Rogge wurde vorgeworfen, der chinesischen Führung gegenüber zu nachsichtig zu sein und nicht genügend auf die Zusagen zu dringen, welche die Volksrepublik bei der Vergabe der Spiele gemacht hatte. Ménard griff aber auch US-Präsident George W. Bush und Frankreichs Staatschef Nicolas Sarkozy an. Diese hätten durch ihre Teilnahme an der Eröffnungsfeier in Peking ihre "Ehre als Demokraten" verloren, sagte er. Gerade Sarkozy habe offenbart, "wie sehr er sein Fähnchen nach dem Wind richten kann".

Festnahmen, Verurteilungen, Zensur, Überwachung

Die Hoffnung, die Olympischen Spiele könnten zu mehr Meinungsfreiheit in China führen, hat sich nach Worten der Organisation vollständig zerschlagen. Die Sommerspiele in Peking waren "geprägt von Festnahmen, Verurteilungen, Zensur, Überwachung und Schikane von mehr als 100 Journalisten, Bloggern und Dissidenten", heißt es in der RSF-Bilanz. Zwar habe frei über die Wettkämpfe berichtet werden können. "Doch bei Demonstrationen und Recherchen zu heiklen Themen kam es wiederholt zu Behinderungen durch Sicherheitskräfte in Zivil und Uniform." Zwei US-Blogger seien wegen Störung der öffentlichen Ordnung zu zehn Tagen Gefängnis verurteilt worden, weil sie über Pro-Tibet-Aktivitäten berichtet hätten. Auch rund hundert Pekinger Menschenrechtler und Tibet-Aktivisten wurden nach ROG-Angaben während der Spiele festgenommen oder unter Hausarrest gestellt.

Die RSF-Vertretung bekräftigte ihre Forderung, dass die Achtung der Meinungsfreiheit eines der Auswahlkriterien für olympische Austragungsstätten werde. "Die Olympische Bewegung hat allerdings bereits ihren Peking-Fehler wiederholt, indem die Winterspiele 2014 ans russische Sotschi vergeben worden sind." (APA/AFP/AP)

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