"Fledermäuse willkommen"

24. August 2008, 21:31
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Koordinationsstelle für Fledermausschutz und -forschung vergibt Plakette an jene, die sich um das Wohl der Säugetiere kümmern

Graz - Die Koordinationsstelle für Fledermausschutz und -forschung zeichnet Institutionen oder Private, die sich in einer besonderen Form um das Wohl von Fledermäusen kümmern, mit der Plakette "Fledermäuse willkommen" aus. Da die Flattertiere vom Aussterben bedroht sind, soll am 29. August die zweite steirische "Bat-Night" im Norden von Graz wieder Bewusstsein schaffen und Mythen aufklären helfen.

Oliver Gebhardt, seines Zeichens "Mister Batman" bei der Österreichischen Naturschutzjugend Steiermark (ÖNJ), organisiert die Fledermausnächte, die vor allem dem jungen Publikum die Furcht vor den "fliegenden Mäusen" nehmen sollen. Die Säugetiere seien sogar eher mit dem Menschen als mit den am Boden lebenden Nagern verwandt, so Gebhardt. Alle 26 in Österreich vorkommenden Arten fressen Insekten und tragen damit zur Schädlingsbekämpfung bei. Dennoch sind ihre Lebensräume - Baumhöhlen und geräumige Dachböden - bedroht.

Voraussetzung für die Auszeichnung

Bis zu einem gewissen Grad Abhilfe soll die neue Plakette schaffen. Nach deutschen Vorbild bekommen sie nur Einrichtungen verliehen, die eigene Räume für Fledermäuse schaffen oder eine Kolonie besonders fürsorglich betreuen, erklärt Gebhardt, selbst gebürtiger Deutscher. Im Schnitt sollen zwei Einrichtungen pro Jahr und Bundesland die Plakette bekommen. Bereits ausgezeichnet worden sei das Fledermaushaus im kärntnerischen Feistritz an der Gail.

In seiner Funktion als Fledermausforscher in der Steiermark ist Gebhardt mit Spezialausrüstung unterwegs: Mit dem sogenannten Bat-Detektor können die Ultraschallwellen der Feldermäuse, welche ihnen zur Orientierung dienen, für den Menschen hörbar gemacht werden. Bei der zweiten "Bat-Night" in Judendorf-Straßengel sollen mit dem Detektor die Flattertiere, die dort rund um den Kirchturm kreisen, geortet werden.

>>> Stichwort Fledermäuse


26 verschiedene Arten von Fledermäusen leben in Österreich, und viele von ihnen sind auf der "Roten Liste" der gefährdeten Tiere. Die kleinsten Fledermausarten Österreichs sind die Mücken- und die Zwergfledermaus mit einem Gewicht von drei bis sieben Gramm. Diese sind so klein, dass sie in er Zündholzschachtel Platz finden.

Fledermäuse gehören zu den Säugetieren. Sie sind nachtaktiv und verbringen die Tage kopfüber hängend in Höhlen. "Sehen" können die flatternden Säuger mit ihren Ohren: Sie stoßen Ultraschalllaute aus und können anhand des Echos ihre Umgebung wahrnehmen. Damit können Fledermäuse auch in völliger Dunkelheit Hindernisse erkennen, die halb so dünn wie ein Haar sind. Über den Winter fallen die Tiere in eine Starre und senken ihre Körpertemperatur auf bis zu sechs Grad. Um nicht zu verhungern, fressen sie sich vor der kalten Jahreszeit einen Fettpolster an. Werden Fledermäuse während des Winterschlafs gestört, ist das oftmals lebensbedrohlich, da die Tiere viel Energie zum Aufwärmen benötigen und dann keine Insekten zum Fressen finden.

Zu den Lebensräumen der Fledermäuse zählen Wälder und die Stadt, die Umgebung rund um Gewässer oder Landschaften mit Hecken, Feldgehölzen und Wiesen. Die Paarungszeit ist im Herbst, doch die Jungen kommen erst im Frühjahr zur Welt. Viele der in Österreich lebenden Arten sind auf die Jungenaufzucht in Dachböden von Häusern, Kirchen und Schlössern angewiesen. Andere Arten beziehen verlassene Spechthöhlen oder Spalten. (APA)

  • Bild nicht mehr verfügbar

    Fledermäuse sind vom Aussterben bedroht (im Bild eine Langohrfledermaus).

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