der schönste Tag der Woche: Nur für Handy-Nichtbesitzer

22. August 2008, 16:39
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Kürzlich führte ich in der einzigen öffentlichen Telefonzelle in Litzlberg am Attersee - sie steht oben beim Freibad unter einem Baum

Eines Spätabends ein Ferngespräch und staunte nicht schlecht, was ich da zu sehen bekam: Dutzende fette Spinnen hatten riesige Netze gespannt und auf diese Weise die gesamte Kabine in Beschlag genommen.

Ich bin mir sicher, dass man hier locker eine mehrteilige "Universum" -Sendung hätte drehen können. Da ich mit dem Rad nicht nach Seewalchen fahren wollte (dort soll es auch noch einen öffentlichen Fernsprecher geben), versuchte ich also in der Litzlberger Spinnenansiedlung mein Glück. Während ich vorsichtig den Hörer abnahm, bewegten sich einige besonders gut genährte Tiere langsam auf mich zu, überlegten sich aber in letzter Sekunde eine Attacke. Andere waren mit der Zerlegung eines Zitronenfalters beschäftigt, wieder andere lauerten Fliegen auf.

Die Digitalanzeige - MIN 30 C - signalisierte, dass der Apparat offenbar noch funktionierte. Dummerweise fiel mein 50-Cent-Stück aber durch und blieb in der Geldrückgabeöffnung liegen, was der dort ansässigen Spinne überhaupt nicht gefiel. In dieser Situation blieb mir gar nichts anderes übrig, als die Spinne für kurze Zeit umzusiedeln. Nachdem ich das 50-Cent-Stück auf beiden Seiten bespuckt hatte, kam die Verbindung tatsächlich zustande, und im Laufe des Gesprächs spielten sich vor mir wahre Dramen ab. Zum Beispiel sah ich, wie sich eine riesige Spinne auf ein Spinnenkind stürzte und dieses würgte.

Am Ende meines Gesprächs war die kleine Spinne tot und wurde genüsslich verspeist. Ich hätte noch stundenlang zuschauen können, aber als ich merkte, dass sich einige Netze bereits in meinem Haar verfangen hatten, verließ ich diesen faszinierenden Ort. Solche Abenteuer erlebt man nur als Handy-Nichtbesitzer! Zum Thema Netz fällt mir ein, dass der legendäre Kicker Giu-seppe Meazza, dessen Geburtstag sich am 23. August zum 98. Mal jährt, bei einem WM-Match Italien gegen Österreich gemeinsam mit fünf anderen Spielern den Tormann Peter Platzer, der den Ball bereits gefangen hatte, ins Tor drängte, bis Platzer im Netz hängen blieb. Das Spiel fand am 3. Juni 1934 in Mailand statt und endete mit einem 1:0-Sieg Italiens. Zum besseren Verständnis: Der schwedische Schiedsrichter Ivan Eklind war am Tag vor der Begegnung von Mussolini in Privataudienz empfangen worden. (Kurt Palm, ALBUM/DER STANDARD, 23./24.08.2008)

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    foto: michaela mandl
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