Europa: ZEW-Index mit ambivalenten Signalen

22. August 2008, 16:30
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Ein Kommentar von Vincent Holzer und Ronald-Peter Stöferle aus dem Equity Weekly der Erste Bank

Die Talfahrt an den europäischen Börsen ging diese Woche unvermindert weiter. Der EuroStoxx50 verliert auf Sicht der letzten fünf Handelstage 3,10%, während der Dax 2,7% abgibt. Erneut wurde die Liste der Wochenverlierer von Finanztiteln angeführt, Pharmawerte und Öltitel tendierten fester.

Der ZEW-Index fiel überraschend aus. So verschlechterte sich die Einschätzung der gegenwärtigen Situation von 17 auf -9,2, der Konsens ging von einem Rückgang auf 10 aus. Die Zukunftserwartungen hellten sich hingegen deutlich auf: Der Konsens ging von -62 Punkten aus, tatsächlich konnte der Index auf -55 Punkte zulegen. Die Entspannung beim Ölpreis sowie die jüngste Euro-Schwäche waren wohl dafür verantwortlich. ZEW-Präsident Wolfgang Franz meinte dazu: "Insgesamt gehen die Finanzexperten von einer zwar schwächeren, aber alles in allem robusten Konjunkturentwicklung aus und befürchten keine Rezession". Die Auftragseingänge
in der Industrie entwickelten sich schwächer als erwartet, im Vergleich zum Vorjahr liegt das Minus bei 7,4%.

Nach starkem Widerstand hat sich die Schaeffler Gruppe mit der Continental AG auf eine Übernahme einigen können. Das Angebot je Conti-Aktie wurde von EUR 70,12 auf 75 erhöht. Darüber hinaus leistet Schaeffler für ev. durch den Deal entstehende Kosten bis zu einer Höhe von EUR 522 Mio. einen finanziellen Ausgleich.

Conti hatte sich zunächst noch mit Händen und Füssen gegen eine mögliche Übernahme des deutschen Familienkonzerns gewehrt, allen voran der langjährige Vorstandsvorsitzende Manfred Wennemer, der als Konsequenz seinen Hut zog. In dem nun beschlossenen Deal verpflichtet sich Schaeffler in den nächsten vier Jahren nicht mehr als 49,99% der Anteile von Conti zu erwerben. Zudem habe man eine umfassende Jobgarantie für alle Conti-Angestellten gegeben. Außerdem bleibt sowohl das Unternehmen als auch die Marke Continental bestehen. Die Vereinbarung
darf frühestens im Jahre 2014 gekündigt werden.

Der amerikanische Finanzinvestor Lone Star hat für einen niedrigen dreistelligen Millionbetrag die angeschlagene IKB Deutsche Industriebank gekauft. Ursprünglich hoffte der bisherige Mehrheitseigentümer - die staatliche Förderbank KfW - auf einen Erlös von EUR 800 Mio. Der für sein hartes Durchgreifen bekannte Investor übernimmt 90,8% und übertrumpft damit den Mitbewerber RHJ International. Das mittelständische Kreditinstitut wurde letzten Sommer sehr heftig von der internationalen Finanzkrise getroffen und stand kurz vor dem Bankrott.

Der Touristik- und Schifffahrtskonzern TUI verzeichnete im 2. Quartal einen Verlust von EUR 125 Mio., im Vorjahreszeitraum hatte es noch ein Plus von EUR 71 Mio. gegeben. Der Umsatz stieg hingegen um 20% auf EUR 6,2 Mrd. Das Quartalsminus ist vor allem durch die Fusionsvorbereitung der Tui fly mit Germanwings entstanden. Einerseits wurden Abschreibungen im Wert von EUR 73 Mio. vorgenommen, andererseits entstanden Wechselkursverluste durch eine sale-andleaseback
Vereinbarung in Höhe von fast EUR 70 Mio. Abgesehen von der Flugsparte verlief das Geschäftsquartal positiv, dazu beigetragen hat vor allem das Geschäft mit der Containerschifffahrt.

Neben Merrill Lynch, UBS und Goldman Sachs hat sich nun auch die Deutsche Bank auf einen Rückkauf der umstrittenen Auction Rate Securities (ARS) in Höhe von USD 1 Mrd. geeinigt. Hinzu kommt eine Pönale von USD 15 Mio. Um einer Anklage wegen Betrugs zu entgehen, haben bereits in der Vorwoche einige große Finanzkonzerne Einigungen mit der New Yorker Generalstaatsanwalt getroffen, um einer Anklage wegen Betrugs zu entgehen.

In der nächsten Handelwoche erwarten wir unter anderem Zahlen von Intesa Sanpaolo, Credit Agricole und Vinci. Auch der ifo-Index sowie das Verbrauchervertrauen der Eurozone erwarten wir mit Spannung. Aufgrund der schwachen technischen Verfassung der Indizes rechnen wir weiterhin mit fallenden Kursen, ein Unterschreiten der Juli-Tiefs erscheint wahrscheinlich.

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