USA: Börsen mit leichten Aufschlägen

12. September 2008, 15:30
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Ein Kommentar von Ronald-Peter Stöferle aus dem Equity Weekly der Erste Bank

Die US-Börsen beenden eine äußerst turbulente Handelswoche mit geringen Aufschlägen. Im Fokus der Wall Street stand die Rettung der Immobilienfinanzierer Fannie Mae und Freddie Mac sowie der drohende Kollaps von Lehman Brothers. Positive Impulse kamen vom weiter sinkenden Ölpreis. Die Referenzmarke West Texas Intermediate notiert nur noch knapp über der Marke von USD 100/Barrel, obwohl die OPEC-Sitzung einige Überraschungen brachte. So wurde die Fördermenge
völlig unerwartet um 520.000 Barrel/Tag reduziert, zudem plant Russland nun eine Öl-Allianz mit der OPEC. Gemeinsam würde man über 51 % der globalen Ölproduktion und mehr als 70 % der vorhandenen Reserven verfügen.

Die gemeldeten Konjunkturdaten fielen überwiegend enttäuschend aus. Die Arbeitslosenquote
kletterte von 5,7 % im Juli auf 6,1 % im August, dies bedeutet den höchsten Stand seit mehr als 5 Jahren. Das Handelsbilanzdefizit war im Juli mit USD 62 Mrd. höher als erwartet ausgefallen, die Zahl der Erstanträge auf Arbeitslosenhilfe war in der abgelaufenen Woche nicht so deutlich zurückgegangen wie geschätzt. Im Zuge der Finanzkrise und der zahlreichen Stimulus- und Rettungspakete hat der Kongress nun für das neue Haushaltsjahr ein Rekorddefizit von USD 438 Mrd. prognostiziert. Die Handlungsmöglichkeiten des nächsten USPräsidenten sind jedenfalls deutlich eingeschränkt.

Droht Lehman Brothers ein Bear Stearns Schicksal?

Im Fokus der Wall Street stand die angeschlagene Investmentbank Lehman Brothers. Früher als geplant wurden Quartalszahlen präsentiert, am Dienstag verlor die Aktie knapp die Hälfte an Wert. Lehman präsentierte einen Verlust von USD 3,9 Mrd. bzw. 5,92 je Aktie, der Konsens ging von lediglich USD 2,91 je Aktie aus. Nachdem die angeschlagene Investmentbank bei ihrer Brautschau in Asien erfolglos blieb, müsse man nun andere Wege finden um die Kapitaldecke zu stärken. Man wolle nun 55 % der Vermögensverwaltungssparte verkaufen, auch die Gewerbeimmobilien-Sparte werde verkauft. Aufgrund der wachsenden Befürchtungen wurden massiv Gelder abgezogen, Lehman solle nun vor einem existenzbedrohenden Liquiditätsengpass stehen und bot sich am Donnerstag quasi selbst zum Kauf an. Der Fall erinnert frappant an den Kollaps bei Bear Stearns, als wahrscheinlichster Käufer gilt nun die Bank of America. Unter Druck blieb auch die größte US-Bausparkasse Washington Mutual. Das Wochenminus beläuft sich auf 30 %, nachdem man die Gefahr einer Pleite mittlerweile bei knapp 85 % sieht.

Die am Montag gefeierte Rettung von Fannie Mae und Freddie Mac stellte sich als Strohfeuer für die Börsen heraus. Die Aktien der beiden Immobilienfinanzierer reagierten naturgemäß mit Kurseinbrüchen, die Aktionäre sind die großen Leidtragenden der Rettungsaktion. Seit Jahresbeginn haben beide Aktien mehr als 98 % an Wert verloren. Die US-Behörden werden nun die operative Kontrolle über beide Unternehmen übernehmen. Im ersten Schritt werden Vorzugsaktien für je USD 1 Mrd. übernommen und das Recht eingeräumt zum Nominalpreis 79,9 % des Stammkapitals zu erwerben. Zudem werden man jeweils USD 100 Mrd. an Mitteln zuführen. Dass die beiden CEO's mit Golden Handshakes in zweistelliger Millionenhöhe verabschiedet werden, sei nur am Rande bemerkt.

UST, San Disk und ImClone als begehrte Übernahmekandidaten

Altria plant die Übernahme des Konkurrenten UST, einem Hersteller von Schnupftabak. Die Akquisition könnte ein Volumen von knapp USD 11,7 Mrd. haben. Für das laufende Geschäftsjahr bekräftigte Altria seine Prognosen, man werde zwischen USD 1,63 und 1,67 je Aktie verdienen. SanDisk klettert 21,7 %, nachdem Samsung gerüchteweise an einer Übernahme des Herstellers von Speicherchips interessiert sein könnte. ImClone steigt weiter, nachdem der Biotech-Konzern das
Angebot von Bristol-Myers Squibb als unangemessen bezeichnet und zurückgewiesen
hat. Nun könnte sich eine Übernahmeschlacht abzeichnen, nachdem ImClone ein weiteres Angebot von einem großen Pharmawert erhalten haben soll.

General Motors klettert knapp 20 %. Das geforderte Staatsdarlehen zur Modernisierung der Produktionsstätten in Höhe von USD 25 Mrd. dürfte nun konkreter werden. In der nächsten Woche erwarten wir Quartalszahlen der Investmentbanken Goldman Sachs und Morgan Stanley sowie von Oracle, Fed Ex und Best Buy. Auch die zu veröffentlichenden Konjunkturdaten wie zB Industrieproduktion, Neubaubeginne und Frühindikatoren sowie der Fed-Zinsentscheid sollten für Impulse sorgen.

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