"Verein Anti Piraterie" bereitet Klage gegen "Firstload" vor

22. August 2008, 15:25
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Internet-Provider sollen im Kampf gegen Urheberrechts- verletzungen mithelfen - "Die Fälscher"-Produzent: 1,3 Mio. Euro Verlust durch illegale Kopien

Dass das illegale Kopieren nicht nur der US-amerikanischen, sondern auch der heimischen Filmwirtschaft schadet, hat der Produzent des Oscar-Streifens "Die Fälscher", Josef Aichholzer, am Freitag bei einer Pressekonferenz erläutert. Studien zum Thema gehen von einem Verlust von zehn Prozent durch Filmpiraterie aus - bei "Die Fälscher" wären dies daher alleine aus dem Kinoumsatz (derzeit 12,8 Mio. Euro) knapp 1,3 Mio. Euro, so Aichholzer. Ihm selbst sei am Naschmarkt eine illegale DVD-Kopie des von ihm produzierten Stefan Ruzowitzky-Filmes verkauft worden: "Die Fälscher" waren gefälscht.

Klage gegen Firstload

Der "Verein Anti Piraterie" (VAP), der sich mit Informationskampagnen und gerichtlichen Schritten gegen das Kopieren urheberrechtlich geschützter Inhalte einsetzt, will daher weitere Maßnahmen setzen. So bereite er eine Klage gegen das Usenet-Portal "Firstload" vor, da dieses "gezielt den Download von urheberrechtlich geschütztem Material erleichtert", hieß es bei der Pressekonferenz.

Verbesserungen für den Urheberrechts-Schutz

In den vorgeschlagenen Verbesserungen für den Urheberrechts-Schutz von Filmen hat sich der VAP auf die Internet-Provider eingeschossen und orientiert sich damit am französischen ("Lex Olivennes") und britischen Weg: Dort sollen die Provider den Internetverkehr künftig überwachen und bei Urheberrechts-Verletzungen ihre Kunden mahnen bzw. als letzten Schritt vom Netzzugang aussperren, schilderte der Rechtsanwalt des VAP, Andreas Manak. Ob man mit derartigen Maßnahmen wirklich junge Menschen wieder an den legalen Filmkonsum heranführen kann, "diese Frage bleibt im Raum stehen", sagte Aichholzer auf APA-Nachfrage. Es bedürfe auch "positiver Strategien" und Angebote, etwa legaler Film-Downloadplattformen, die "im Kommen" seien.

Der gutgelaunte "Spaßverderber"

Man wisse, dass man als "Spaßverderber" dastehe, der die "Konsumenten daran hindert, sich gratis zu bedienen", sagte der neue Generalsekretär des VAP, Werner Müller vom Fachverband der Film- und Musikindustrie. Dennoch "fördert bzw. duldet" die Telekommunikationsindustrie den illegalen Download urheberrechtlich geschützter Werke und "macht damit zu Lasten Dritter viel Geld". Man wolle, auch mit Unterstützung der kommenden Regierung, an die Service-Provider herantreten - und ist sich laut Müller bewusst: "Die Türen werden nicht von Anfang an sperrangelweit offen stehen."

Zwei Probleme

Hinderlich im Kampf gegen die illegale Verbreitung von Filmen und Musik seien zwei Probleme: Erstens erlangt die Film- und Musikwirtschaft kaum Zugriff auf Benutzerdaten, da Urheberrechtsverletzungen im Internet von den Gerichten oft nicht als schwerwiegend genug angesehen werden, dass Provider die Namen ihrer Kunden auf Anfrage herausgeben müssen. "Wir stehen dafür, dass diese Feststellung möglich sein muss", so Manak, "sonst ist das Urheberrecht im Internet außer Kraft gesetzt." Man müsse diskutieren, wie eine "faire Interessensabwägung" zwischen Privatnutzern und Rechteinhabern aussehen könne.

Server nicht mehr einfach mitnehmen

Und zweitens habe es zwei Änderungen in der Strafprozessordnung gegeben, die den Piratenjägern das Leben schwer machen: So können verdächtige Server nur mehr dann beschlagnahmt werden, wenn der Name des Betreibers bekannt ist. Und es sei "durch die letzte Strafprozessreform unklar geworden", ob die Polizei über bei anderweitig begründeten Hausdurchsuchungen entdeckte Urheberrechtsverletzungen (etwa Lager mit illegal kopierten DVDs) informieren müsse, so Manak.

Das Kopieren von Filmen und Musik von legal erworbenen Quelle für private Zwecke ist in Österreich nach wie vor gerichtlich nicht strafbar, stellte auch Manak klar. Jedoch könne bei Verstößen zivilrechtlich, etwa in Form von Unterlassungsklagen, vorgegangen werden. (APA)

  • Zunächst sorgte die sexistische Werbung von Firstload für Aufsehen, nun sind auch die Raubkopierjäger auf den Plan gerufen worden.
    foto: firstload

    Zunächst sorgte die sexistische Werbung von Firstload für Aufsehen, nun sind auch die Raubkopierjäger auf den Plan gerufen worden.

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