Möglicher Rückzug bei US-Tankflugzeugen

22. August 2008, 15:10
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Im Wettstreit mit EADS um den Tankflugzeug­auftrag fordert der US-Flugzeugbauer von der US-Regierung mehr Zeit für die Überarbeitung seines Angebots

Berlin - Im Wettstreit mit dem europäischen EADS-Konzern um den milliardenschweren Tankflugzeugauftrag hat der US-Flugzeugbauer Boeing von der US-Regierung mehr Zeit für die Überarbeitung seines Angebots gefordert. Ansonsten könnte sich Boeing aus dem Verfahren zurückziehen, sagte Jim Albaugh, Chef der Boeing-Rüstungssparte, in einem Interview mit dem "Wall Street Journal" (Freitag-Ausgabe). "Es ist höchst wahrscheinlich, dass wir, sollten wir die sechs Monate nicht bekommen, kein Angebot für das Programm vorlegen", sagte er. Der derzeitige Zeitplan für die wieder offene Ausschreibung schränke Boeings Teilnahme ein, fügte er hinzu.

Das US-Verteidigungsministerium will in der kommenden Woche eine letzte Aufforderung für Gebote für den Bau von 179 Tankflugzeugen für die US-Luftwaffe veröffentlichen. Der Gewinner des Prozesses soll nach der bisherigen Planung bis Ende des Jahres feststehen.

Wiederholung der Ausschreibung

Überraschenderweise war Boeing - der Haus- und Hoflieferant des amerikanischen Militärs - bei der Vergabe im Februar leer ausgegangen. Den Zuschlag hatte der europäische Konzern EADS mit seinem US-Partner Northrop Grumman erhalten. Nach einer Beschwerde von Boeing bemängelte der US-Rechnungshof aber Fehler bei der Auftragsvergabe und empfahl zumindest eine teilweise Wiederholung der Ausschreibung.

Knackpunkt dabei ist die Menge an Treibstoff, die die Flugzeuge transportieren können. Boeing-Befürwortern zufolge spielt das EADS und Northrop in die Hände, da der angebotene Airbus A330 größer ist als die von Boeing vorgesehene 767. Um ein neues Angebot auf Basis eines größeren Flugzeugs auszuarbeiten, brauche Boeing mehr Zeit als die zwei Monate, die das Pentagon einzuräumen bereit sei. Albaugh sprach von zusätzlichen vier Monaten. Es handele sich schließlich um ein Flugzeug, das 40 Jahre lang seinen Dienst machen solle, sagte Albaugh. "Ich würde lieber kein Angebot einreichen als eins, das nicht wettbewerbsfähig ist."

Boeing hatte bereits bei der ersten Vergabe des Auftrags vor vier Jahren einen Rückschlag erlitten. Der Zuschlag wurde zurückgezogen, nachdem sich das Verfahren als größten Beschaffungsskandal im Pentagon seit den 80er Jahren entpuppte. Anschließend waren Militär und Regierung um eine äußerst faire und transparente Entscheidung bemüht, was den Europäern die Tür zum lukrativen US-Rüstungsmarkt öffnete. (APA/Reuters)

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