Neue Rätsel um Absturz: Kein Feuer auf Video-Aufzeichnungen zu sehen

22. August 2008, 11:04
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Offenbar kein Triebwerk in Brand geraten, wie bisher vermutet - Wahrscheinlich eine Verkettung mehrerer Umstände

Madrid - Bei der Suche nach den Ursachen der Madrider Flugzeug-Katastrophe sind neue Fragen aufgetaucht. Entgegen den bisherigen Annahmen war beim Start der Unglücksmaschine der spanischen Fluggesellschaft Spanair offenbar kein Triebwerk in Brand geraten. Auf einem Video der staatlichen Flughafengesellschaft AENA ist nämlich weder ein Feuer noch eine Explosion in einem Triebwerk zu erkennen.

Laut Angaben mehrerer spanischer Zeitungen ging die Maschine erst in Flammen auf, als sie auf die Erde aufschlug und zerschellte. Bisher hatte es als ziemlich sicher gegolten, dass beim Start der Maschine am Mittwoch ein Triebwerk Feuer fing. Dieser Brand, so war vermutet worden, könnte eine Kettenreaktion ausgelöst haben, die zum Absturz der zweistrahligen Maschine führte.

Ermittlungen gehen weiter

Am Samstag geht die Suche nach Erklärungen für den Absturz der Maschine weiter. Der für die Ermittlungen zuständige Staatsanwalt Emilio Valerio sagte, in einem Monat sollte geklärt sein, weshalb die Maschine der Fluggesellschaft Spanair kurz nach dem Start abgestürzt war. Er wies nach Presseberichten vom Samstag darauf hin, dass die Ursachen möglichst rasch ermittelt werden sollten, damit die Familien der Opfer nicht länger im Ungewissen bleiben müssten.

Vermutungen

Die spanische Zeitung "El Mundo" berichtete unter Berufung auf Vertreter der Zivilluftfahrt, Teile des linken Triebwerks hätten sich gelöst und das Seitenruder der Heckflosse der MD-82 beschädigt. Dadurch sei die Maschine aus dem Gleichgewicht gekommen und abgestürzt.

Der Leiter der spanischen Zivilluftfahrtbehörde, Manuel Bautista, sagte "El País", es müsse mehr als eine Ursache für den Absturz gegeben haben. Ein defektes Triebwerk allein könne nicht der Grund sein. Auch der Vorsitzende der spanischen Pilotengewerkschaft Sepla und Spanair-Pilot José Maria Vazquez nahm seine Fluglinie in Schutz. Es sei "ungeheuerlich", den Unfall mit der wirtschaftlichen Lage der Fluglinie in Verbindung zu bringen, sagte er "El País". Er habe niemals Druck auf die Piloten erlebt. Außerdem habe Spanair in 20 Jahren nie einen Unfall gehabt.

Die spanische Regierung hat eine umfassende Aufklärung der Umstände zugesagt, die zum Flugzeugabsturz führten. "Es wird alles getan, um festzustellen, was die Ursachen der Katastrophe waren und wer dafür verantwortlich war", sagte Ministerpräsident Jose Luis Rodríguez Zapatero nach Medienberichten vom Freitag.

Die spanische Verkehrsministerin Magdalena Alvarez bestätigte, dass der Pilot vor dem Unglück wegen "technischer Probleme" einen Start abgebrochen hatte. Sie ließ jedoch unklar, worin die Probleme bestanden. Nach Überprüfung der Maschine gaben Techniker das Flugzeug zum Start frei. Spanair teilte mit, die Piloten hätten eine "Überhitzung in der Luftzufuhr" festgestellt. Dieser Defekt sei von den Technikern behoben worden.

Deutsche unter den Opfern

Mit großer Wahrscheinlichkeit gehört auch eine Familie aus Bayern zu den Opfern der Katastrophe. Ein Sprecher der Lufthansa bestätigte, dass das Ehepaar und seine beiden Söhne aus Pullach bei München auf der Passagierliste der abgestürzten Spanair-Maschine standen. Jedoch sei noch nicht mit letzter Sicherheit geklärt, ob die Deutschen auch an Bord waren. Ein Sprecher des Auswärtigen Amtes in Berlin sagte: "Wir haben Hinweise von den zuständigen spanischen Behörden, dass sich vier Deutsche unter den Todesopfern befinden. Diese Angaben stehen unter dem Vorbehalt der endgültigen Identifizierung der Opfer." Die spanische Regierung sprach dagegen von fünf toten Deutschen. Bis zur Nacht auf Freitag waren erst 40 Tote identifiziert worden.

Bei dem Unglück auf dem Flughafen Madrid-Barajas kamen 153 Menschen ums Leben, 19 überlebten schwer verletzt. Die spanische Regierung sagte eine umfassende Aufklärung der Umstände zu, die zur schlimmsten Katastrophe in der spanischen Luftfahrt seit fast 25 Jahren geführt hatte. (APA/dpa)

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