Supermarkt-Überfall: Angeschossener Räuber außer Lebensgefahr

22. August 2008, 09:20
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Mit Bauchschuss ins SMZ-Ost eingeliefert - Der Täter und sein Komplize könnten auch für weitere, ähnliche Überfälle verantwortlich sein

Wien - Nach einem Überfall auf eine Billa-Filiale in Wien-Brigittenau ist Freitag früh ein Räuber von der Polizei angeschossen und schwer verletzt worden. Der 27-jährige Kriminelle habe mit einer Gaspistole auf den Beamten gefeuert, dieser habe mehrmals zurückgeschossen, teilte die Exekutive am Freitag bei einer Pressekonferenz mit. Der Komplize des Mannes wurde unverletzt festgenommen. Das Duo soll seit dem Frühjahr mindestens 20 Überfälle begangen haben und dabei brutal vorgegangen sein.

Die mutmaßlichen Serientäter - ein 27-jähriger Österreicher und ein 28-jähriger Türke - hatten offenbar eine Vorliebe für Filialen der Billa-Kette. 16 Mal dürften die Täter Supermärkte des Unternehmens überfallen haben, sagte Oberstleutnant Michael Mimra, Leiter der Kriminaldirektion 1 (KD 1). Ein möglicher Grund: Bei einem der beiden Männer soll es sich um einen ehemaligen Billa-Mitarbeiter handeln. Der verletzte Österreicher wurde am Freitag operiert. "Es geht ihm gut", sagte Oberstleutnant Thomas Stecher von der KD1.

Die Exekutive war den beiden Verdächtigen schon länger auf der Spur, die ersten Überfälle sollen die Männer im Frühjahr verübt haben. Nach umfangreichen Analysen und Ermittlungen wurden verstärkt Überwachungsmaßnahmen durchgeführt, potenzielle Raubziele wurden bewacht, hieß es bei der Polizei.

Gaspistole und Pfefferspray

Dies sei auch vor dem Schusswechsel am Freitag geschehen. Kripobeamte bemerkten gegen 6.20 Uhr eine angelehnte Tür beim Hintereingang zum Billa in der Kaschlgasse 4 in der Brigittenau. "Die Kollegen sind daraufhin hinein", sagte Stecher. Ein Polizist sicherte den Eingang, während sein Kollege den 15 bis 20 Meter langen Gang entlang schlich und über Stiegen Richtung Büro hinaufging. Bei einem Blick ins Büro bemerkte er, dass der Tresor offen stand. Die Täter hatten zu diesem Zeitpunkt bereits zwei Angestellte mit einer Gaspistole bedroht, sie gezwungen ihren Kopf auf den Tisch zu legen und durch Pfefferspray verletzt.

Laut Polizei rief der Beamte die Kriminellen, die er zu diesem Zeitpunkt offenkundig nicht sah, an: "Polizei ist anwesend, heben Sie die Hände, kommen Sie heraus!" Antwort kam keine. Plötzlich sei einer der Verdächtigen, der 27-jähriger Österreicher, in den Vorraum gesprungen und habe auf den Polizisten einen Schuss aus einer Gaspistole abgegeben, so die Ermittler. Der Beamte feuerte daraufhin mehrmals zurück. Zwei der Projektile aus der Dienstwaffe trafen den Kontrahenten im Bauchbereich.

Ein Täter schwer verletzt

Die Beamten bemerkten vorerst nicht, dass der Räuber getroffen war. Erst als die Täter sich ergaben, hätten sie bemerkt, dass der Mann schwer verletzt wurde, so die Polizei. Er wurde ins SMZ Ost eingeliefert und zunächst im Schockraum behandelt. Seinen Komplizen, einen 28-jährigen Türken, der seit 2005 Aufenthaltsverbot hat, nahmen die Beamten fest. Das Fluchtfahrzeug war um die Ecke geparkt. Es dürfte einer Lebensgefährtin von einem der beiden Täter gehört haben. Bei den zwei gefassten Kriminellen dürfte es sich um die Haupttäter handeln. Ob es Helfer oder Mitwisser gab, muss noch geklärt werden.

Der angeschossene Räuber konnte am Samstag noch nicht einvernommen werden. Während sein Komplize - ein 28-jähriger Türke - laut Oberstleutnant Thomas Stecher von der Kriminaldirektion 1 (KD1) bereits geständig ist, dürfte der Österreicher erst in der kommenden Woche vernommen werden können.

Die Vorgangsweise der beiden Verdächtigen war brutal, betonte Mimra. Bei ihren Überfällen ließen die Kriminellen insgesamt 55 Verletzte zurück, die sie vor allem mit Pfefferspray attackierten. Ein Lieferant wurde durch eine Tränengaspistole schwer verletzt, es sei auch zu mehreren körperlichen Angriffen gekommen. Neben den Billa-Märkten gehen möglicherweise auch Überfälle auf eine Tankstelle, ein Cafe und ein Imbisslokal auf das Konto des Duos. (APA)

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