Palm wirft Rettungsring Treo Pro aus

22. August 2008, 09:06
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Erst stahl Blackberry dem Handheld-Pionier die Businesskunden, dann das iPhone die Konsumenten. Mit dem Centro gewann Palm wieder Freunde, aber kein Geld, der Treo Pro soll Geschäftskunden zurückbringen.

Ein Pionier zu sein ist im harten Wettbewerb des IT-Markts noch keine Überlebensgarantie. In den vergangenen Jahren ist Palm, die entscheidend zur Entwicklung von Organizer und Smartphone beitrug, in Schieflage geraten; jetzt wirft das Unternehmen unter Vorsitz des einstigen Apple-Veteranen Jon Rubinstein eine Art Rettungsring aus: sein neues Gerät Palm Treo Pro.

Ausrichtung

Der Treo Pro richtet sich vor allem an Unternehmenskunden und setzt auf dem Betriebssystem Windows Mobile auf, verwendet dabei aber "Palm-Shortcuts", ein Versuch, das Windows-Gerät an das "Look and Feel" des einst populären Palm-Betriebssystems anzupassen.

Schlanker und eleganter als sein Vorgänger hat es ein größeres und verbessertes Display und bietet 3G für schnellen Internetzugang. Wie das iPhone lässt sich das Telefonklingeln mit einem Knopf ausschalten, ein weiterer Button soll für raschen, einfach zu benutzenden Internetzugang über Wifi (drahtlose Hotspots) sorgen.

Auslieferung

In Europa wird der ab September lieferbare Treo Pro 500 Euro kosten und unabhängig von Mobilfunkbetreibern verkauft.

Seit 2006 hat sich Palms US-Marktanteil auf 17 Prozent halbiert. Daran hat auch sein nach Verkäufen erfolgreiches, nach Ertrag weniger sättigendes Billigmodell Centro nichts geändert. Der Hersteller verliert kontinuierlich weiter an Boden, ursprünglich an den Blackberry von RIM (die kanadische Research in Motion) und Windows-Mobile-Smartphones und jetzt auch an Apples iPhone. In Europa wiederum konnten Treos bei den Mobilfunkern, die durch ihre Subventionen der Endgeräte der eigentliche Market-Maker sind, nie richtig Fuß fassen; hier dominiert vor allem Nokia, gefolgt von Blackberry und jetzt auch Apple.

Durchbruch

Manche Analysten sehen in dem neuen Treo Pro nur den Versuch, das Unternehmen über Wasser zu halten, bis ihm ein echter Durchbruch mit einem neuen Gerät gelingt. Vergangenes Jahr kündigte Palm den Foleo an, ein ultraleichtes Notebook, das Eigenschaften sowohl des überraschend populären kleinen Asus-Eee-PC (eines 300-Euro-Geräts zum Internetgebrauch) als auch von Apples extrem dünnem Macbook Air vereinte - nur um es kurz vor Markteinführung wieder zu stornieren.

1996 kam der erste Palm Pilot auf den Markt, der im Wesentlichen die Kategorie des handflächengroßen Organizers definierte, 2002 wurde daraus das Smartphone Treo (von der später wieder zurückgekauften Entwickler-Abspaltung Handspring). 2005 überholte Microsoft mit Windows Mobile erstmals Palm-betriebene Handhelds nach Marktanteil; bei Smartphones hat sich in den vergangenen Jahren Nokias Symbian, mit dem auch Smartphones anderer Hersteller ausgestattet sind, als klarer Marktführer etabliert.

Management

Rubinstein wurde im Vorjahr vom Risikokapitalgeber Elevation Partners als Chairman an Bord geholt, um Palm wieder zu einem Stern am Silicon-Valley-Himmel zu machen. Dass er dazu das Zeugs hat, bewies der einstige Hewlett-Packard-Mann bei Apple: Steve Jobs machte ihn zum Leiter seiner Hardwareabteilung und beauftragte ihn mit der Entwicklung von iMac und iPod, die Apple retteten. Diesen Erfolg soll Rubinstein jetzt bei Palm wiederholen. (Helmut Spudich / DER STANDARD Printausgabe, 22.08.2008)

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    grafik: palm
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