Salzburg: Geteilte Rechnung machte Bewerbung für Olympia teurer

21. August 2008, 21:05
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Prüfbericht des Landesrechnungshofes: Um 50 Prozent teurer als veranschlagt, mit Teilprojekten, die sich einer Beurteilung entziehen

Salzburg - Statt 7,1 Millionen seien es gleich 10,4 Millionen Euro geworden. So lautet, wie der Standard berichtete, die grundsätzliche Kritik der Landesrechnungshofes: Die Bewerbungsgesellschaft für die olympischen Winterspiele 2014 habe den Voranschlag gleich um satte 46 Prozent überzogen: Eine Abweichung, die auf nicht sachgerechte Budgetierung schließen lasse.

Aber auch darüber hinaus liest sich der Bericht für die Olympiawerber nicht besonders schmeichelhaft. Vieles erinnert an die gescheiterte Bewerbung der Stadt Salzburg für die Winterspiele 2010. Einzelne Geldflüsse der - vom IOC ebenfalls abgelehnten - Kandidatur für die Winterspiele 2014 seien auch diesmal nicht mehr exakt nachvollziehbar.

Zwei Rechnungskreise

"Die von der Gesellschaft gewählte Gliederung der Kostenrechnung ermöglicht es nicht, Aktivitäten, die sich auf Teilprojekte beziehen, kostenmäßig darzustellen", stellt der Landesrechnungshof in seinem Prüfbericht fest. Dazu kommt, dass den Prüfern nicht alle Rechnungsbelege unterbreitet worden sind. Die Olympiagesellschaft hat mit zwei getrennten Rechnungskreisen gearbeitet.

Begründet wird diese Trennung mit dem Wunsch der Sponsoren, "die persönliche Sphäre von privaten Geldgebern" zu schützen. Namhafte Sponsoren waren beispielsweise der Landesenergieversorger Salzburg AG oder der Salzburger Flughafen. Insgesamt sind über 3,4 Millionen Euro an Firmengeldern in das Olympiabudget geflossen.

Der erste Rechnungskreis, über den die öffentlichen Gelder abgerechnet worden sind, ist den Prüforganen vollständig vorgelegt worden. Rechnungskreis Nummer zwei hatte die Sponsorengelder zum Inhalt. Hier seien nur Belege zur Verfügung gestanden, die vom Liquidator der Gesellschaft "vorgelegt" worden waren.

Genau da orten zumindest die Olympiagegner von Bürgerliste und FP Möglichkeiten der Manipulation. So wären ausgerechnet bei den sensiblen Spesen und Reisekosten nur 88.000 Euro im überprüften Rechenkreis zu finden, im nicht vollständig einsehbaren Teil aber gleich 628.000 Euro.

Druckmittel, die gesamte Buchhaltung einsehen zu können, gibt es keine. Die Kontrolle der Bewerbung 2014 durch die Prüfbehörde war nach den Debatten um die Abrechnung von 2010 "freiwillig" zugestanden worden. Bei Gründung der Gesellschaft war der Rechnungshof nicht zur Einsicht berechtigt, da die Landesanteile an der GmbH zu gering gewesen sind.

Bürgermeister Heinz Schaden (SP), der Salzburgs olympische Ambitionen am offensivsten forciert hatte, reagierte auf die Rechnungshofkritik übrigens ausgesprochen gereizt. Er spricht von einer "unrichtigen Darstellung". Rechnungshofvertreter wären im Sinn einer begleitenden Kontrolle immer eingebunden gewesen.

Das wiederum weist Rechnungshofdirektor Manfred Müller scharf zurück. Seine Mitarbeiter wären nie involviert gewesen, das Land hätte nur Beamte aus dem Finanzressort abgestellt. (Thomas Neuhold, DER STANDARD - Printausgabe, 22. August 2008)

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    Die Träume sind längst dahin, 2014 soll die Olympiafahne nicht über der Festung, sondern im südrussischen Sotschi gehisst werden. An der Salzach wird über die Bewerbungskosten debattiert.

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