Die US-Leichtathletik kassiert Watschen

21. August 2008, 18:16

Das liegt an der besonderen Rolle, die die kurzen Laufstrecken in der öffentlichen Wahrnehmung spielen. Es könnte aber auch mit der Angst vor Dopingfolgen zu tun haben

Peking - Vergessen wir nicht den 400 Meter langen Hürdenlauf. Angelo Taylor vor Kerron Clement und Bershawn Jackson. Ein rein amerikanisches Siegespodest wie beim 400 Meter Lauf ohne Hürden, den LaShawn Merritt vor Favorit Jeremy Wariner und David Neville gewann. Und doch muss es einem so vorkommen, als wäre die amerikanische Leichtathletik plötzlich zum Vergessen.

Schon, schon: das jamaikanische Laufwunder. Bloß: wo bleiben die Amerikaner, die Paroli bieten? Wo sind sie in anderen Disziplinen? Im Weitsprung, in dem sich die USA vor Peking 22 von 24 Goldmedaillen genommen hatten, kam erstmals in der Olympia-Geschichte (zur Erinnerung: Premiere 1896) kein Amerikaner ins Finale. Auch Bernard Lagat, der aus Kenia in die USA übersiedelte Weltmeister, war über 1500 Meter vor der Entscheidung gescheitert.

Die Baisse kommt nicht von ungefähr. Sie hängt, davon gehen Kundige aus, mit dem Auffliegen des Dopingskandals um das kalifornische Balco-Labor zusammen. So wie vorher die Erfolge mit den Machenschaften des Labors zusammenhingen. Marion Jones, die vor acht Jahren in Sydney dreimal Olympiagold und zweimal -bronze gewonnen hatte, sitzt seit März eine sechsmonatige Haftstrafe ab - wegen Meineids. Die Medaillen musste sie zurückgeben.

Tim Montgomery, der ehemalige Jones-Ehemann und Sprintweltrekordler, rutschte noch tiefer: Scheckfälschung, Geldwäsche, Drogenhandel. Er wurde zu 46 Monaten Haft verurteilt, fünf weitere Jahre drohen. Der gemeinsame Trainer des ehemaligen Traumpaars, Trevor Graham, wurde schuldig gesprochen, falsch ausgesagt zu haben, am 5. September wird das Urteil verkündet, bis zu fünf Jahre Haft sind möglich.

Seit geraumer Zeit wird in der US-Leichtathletik nicht nur die Elite, sondern bis hinunter in den College-Sport kontrolliert. Dazu kommen die abschreckenden Beispiele, wobei jenes von Jones das herausragende ist. Jungen Leichtathleten wurde vor Augen geführt, dass ihnen im Dopingfall nicht bloß wie früher eine Sperre oder schlimmstenfalls das Ende der Karriere droht - junge Menschen sind da flexibel, und speziell in den USA gehen die wenigsten davon aus, ein und denselben Job über viele Jahre auszuüben.

Doch plötzlich stehen Gefängnisstrafen im Raum. Dass Jones nicht wegen Dopings an sich, sondern wegen Meineids in dem Zusammenhang verurteilt wurde, tut wenig zur Sache. Das Leugnen gehört zum Dopen wie das Gras in die Prärie.

Der Kurswechsel

Ob des Balco-Skandals wurden, teils ohne positive Test, teils ohne Geständnis, zwölf US-Leichtathleten verurteilt. Amerikas Anti-Doping-Agentur (Usada) sah Doping als erwiesen an. Zuvor hatten Usada und US-Leichtathletikverband jahrelang die Zügel schleifen lassen, Amerikaner wurden seltener und weniger streng als andere kontrolliert. Erst Druck des internationalen Verbands (IAAF) und der Welt-Anti-Doping-Agentur (Wada) bewegten die Behörden zum Kurswechsel.

Ein traditionelles Problem heißt Trials. Die Ausscheidungsbewerbe für Olympia finden stets wenige Wochen vorher statt. Dort müssen amerikanische Athleten in Hochform sein, um sich qualifizieren zu können. In den meisten Sportarten ist es schwierig, nach relativ kurzer Pause einen zweiten Saisonhöhepunkt einzuplanen.

Die Schwimmer erzielten bei früheren Spielen oft schlechtere Zeiten als bei den Trials, erst heuer und in Peking konnten sie, allen voran Michael Phelps, noch drauflegen. Die Leichtathleten hinken hinterdrein, Sprint-Weltmeister Tyson Gay beispielsweise schleppte eine leichte Verletzung mit, schied in Peking im Semifinale aus. Die Jamaikaner freilich müssen auch diesen Vergleich nicht scheuen, sie hielten ihre Meisterschaften zeitgleich mit den US-Trials ab. (Fritz Neumann aus Peking - DER STANDARD PRINTAUSGABE 22.8. 2008)

 

Kommentar posten
15 Postings
Nardon
00
22.8.2008, 18:57
Geronimo 02
00
22.8.2008, 13:07
hallo

ja so sind sie, die gloreichen nichtdoper und nichtbestecher.
siemens wundert sich, warum die aufträge einbrechen und die mitbewerber plötzlich die aufträge kassieren.
und wenn man dann nicht mehr so dopen kann wie die anderen, so ein pech dass auch die ergebnisse auf einmal ganz andere sind als "früher", oder?

hurchzua
00
22.8.2008, 10:41
Ich befürchte,

die meisten der Olypiasieger in der Leichtatletik sind gedopt.

Das sind Sportarten, die weltweit mit hohem Aufwand betrieben werden. Am Spitzenlevel haben aller tolle fleißig trainiert, alle haben tolle Körper.

Den Unterschied macht dann eben...

oxizes
00
22.8.2008, 10:19
Dafür

habens einen Schwimmer, der alles gewinnt, wie heißt
der doch gleich ?

heurigenwirt
00
22.8.2008, 12:41

Rogan?

maxx 77
00
22.8.2008, 12:18

Mark Spitz

Track123
00
21.8.2008, 22:57
Die Leichtatletik ist ja gar nichts

Interessant wirds erst wenn die amerikanischen Profiligen NBA, NFL, NHL einmal Flächendeckend unter die Lupe genommen werden.

ein Beutedeutscher
51
21.8.2008, 22:27
Der Artikel kann doch nur aus Österreich

stammen. Drei Medaillen und ein Tor bei der EM - jetzt sind wir aber schon mal wieder wer.
Ach ja, das 2:2 hat ja auch schon neue Euphorie bei den uneinsichtigen Ö-Fans ausgelöst.
Aber! Frankreich wartet!
Die machen dann ernst und spielen nicht just for fun.

oxizes
00
22.8.2008, 10:25
Vielleicht

tröstet es Sie, daß die Briefträger kein Geld mehr überbringen.

morales
32
21.8.2008, 21:00
Späte Gerechtigkeit

Dies ist eine späte Gerechtigkeit für den Präsidenten des ÖSV. Wie sagte er: "We are a to small country to make good doping".

Darüber mokierten sich die Besserwisser im Standard-Forum. Dabei sagte er nur die Wahrheit. Denn es ist nun mal Tatsache, dass das professionelle Doping in den Labors der USA, China und der UdSSR stattfand.

Para Dox
00
22.8.2008, 00:07
???

Und wie schließt du aus dem Artikel, dass nicht in A genauso gut gedopt wird/wurde?? Seltsame Aussage.

onkel wuh
 
00
21.8.2008, 20:11
hab mal das gerücht gehört, dass carl lewis mehrere male positiv getestet wurde...

weiss jemand mehr?

LL MM
00
21.8.2008, 22:39

Ja, die Geschichte von 1988 hat es in sich.....

kv488
01
21.8.2008, 21:51
das sind alles ganz böse Gerüchte

wo doch jeder weiß, daß ausschließlich im Radsport gedopt wird ;-)

Captain Smoker
03
21.8.2008, 20:50

http://en.wikipedia.org/wiki/Carl... g_drug_use

Das ist kein Gerücht, sondern schon eher Allgemeinwissen.

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