Zehn Parteien treten an

22. August 2008, 17:51
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Rekordzahl an Wahlmöglichkeiten am 28. September - Kandidatur von KPÖ, LIF, Dinkhauser, "Die Christen" und "Rettet Österreich" fix

Die Frist ist abgelaufen, die Landeswahlvorschläge sind eingereicht - Fünf Listen haben genug Unterstützer für eine bundesweite Kandidatur

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Wien - Am 28. September können die Österreicher gleich zwischen zehn Parteien wählen - bei den anstehenden Nationalratswahlen treten so viele wahlwerbende Gruppen an wie noch nie in der Zweiten Republik. Neben den Parlamentsparteien SPÖ, ÖVP, Grüne, FPÖ und BZÖ werden das Liberale Forum, die KPÖ, "Rettet Österreich" , die "Christen-Partei" und das Bürgerforum vonFritz Dinkhauser auf dem Stimmzettel stehen. Am Freitagnachmittag lief die Frist für die Einreichung der Landeswahlvorschläge und der Unterstützungserklärungen ab. Mit den Bundeslisten können sich die Parteien noch bis zum 8. September Zeit lassen.

In fünf Bundesländern (Salzburg, Tirol, Oberösterreich, Burgenland,Wien) wird man die "Linken" wählen können. Die "Tierrechtspartei" bemühte sich am Freitagnachmittag noch um ein Antreten in Wien. Andere Gruppierungen, etwa Schauspieler Karlheinz Hackls "Solidarische Kultur Österreichs" und die monarchistische "Schwarz-Gelbe Allianz", hatten schon zuvor aufgegeben.

 

 


 

LIF

Die Gründerin des Liberalen Forums, die sich zwischendurch aus der Tagespolitik verabschiedet hatte, ist diesmal wieder die Spitzenkandidatin: Heide Schmidt will dafür sorgen, dass das LIF wieder aus eigener Kraft im Parlament vertreten ist. In der letzten Legislaturperiode saß Bundessprecher Alexander Zach auf einem SPÖ-Ticket im Nationalrat.
Die 59-jährige Juristin und Wirtschaftswissenschafterin Schmidt war bereits von 1990 bis 1999 Nationalrätin, drei Jahre davon für die FPÖ, von der sich das LIF aber nach Differenzen über den Ausländerkurs abspaltete. Zwei weitere bekannte Gesichter finden sich auf den Landeslisten: die EU-Parlamentarierin Karin Resetarits (Salzburg) und der Kärntner Anwalt Rudi Vouk.
Laut Eigendefinition steht das LIF für "wirtschaftspolitische Vernunft mit sozialer Verantwortung und einem ausgeprägten Grundrechtsbewusstsein auf dem Fundament einer politischen Kultur".

 


 

KPÖ


Als "einzige linke Alternative" sieht sich die KPÖ bei der Nationalratswahl. Spitzenkandidat Mirko Messner möchte "den Raum füllen, den die SPÖ verlassen hat". Der Kärntner Slowene tritt mit der Kommunistischen Partei für gleiche Rechte für alle und eine Umverteilung des Reichtums von oben nach unten ein. Der 59-jährige Slawist ist Mitarbeiter des Slowenischen Wissenschaftlichen Instituts in Klagenfurt. Messner ging bereits 2006 als Spitzenkandidat in die Nationalratswahl. Damals erreichte die KPÖ nur ein Prozent der Stimmen.

 


 

RETTÖ


Vorrangiges Ziel der EU-kritischen Bürgerinitiative "Rettet Österreich" ist eine Volksabstimmung über den EU-Reformvertrag. "Die Bevölkerung soll über einen Vertrag, der wichtige Veränderungen unserer Verfassung beinhaltet, selbst entscheiden", fordert Spitzenkandidat Wilfried Auerbach. Ein zweites, wichtiges Anliegen ist dem 48-jährigen Unternehmensberater mit dem Spezialgebiet Ökologie ein Gentechnik-Verbot. Der Innviertler ist Vater dreier Kinder und startete als Ruderer bei den Olympischen Spielen in Moskau und Los Angeles.

 


 


CHRISTEN


Bei den "Christen" dreht sich alles um die Familie. Neben der Einführung eines "Müttergehalts" nennt Spitzenkandidat Alfons Adam die Abschaffung der Fristenlösung - also der straffreien Abtreibung bis zur 12. Schwangerschaftswoche - als langfristiges Ziel seiner Partei, die im Jänner 2006 gegründet wurde. Adam, selbst siebenfacher Vater und 21-facher Großvater, ist als Rechtsanwalt in Neulengbach tätig. Er ist außerdem Vorstand der Anti-Abtreibungs-Bewegung "pro vita", die die Christen-Partei auf ihrer Homepage als ihre "legitime Tochter" bezeichnet.

 


 


FRITZ


Neben dem Liberalen Forum werden vor allem dem "Bürgerforum" des Tiroler Arbeiterkammer-Präsidenten Fritz Dinkhauser realistische Chancen eingeräumt, mehr als vier Prozent der Stimmen zu erreichen. Nach dem Erfolg bei den Landtagswahlen Anfang Juni (18 Prozent) will der ehemalige ÖVP-Politiker nun mit seiner Liste in den Nationalrat. Bevor Dinkhauser in die Politik ging, war er sechsmal Tiroler Meister im Hammerwerfen und nahm bei zwei Olympischen Spielen im Bobfahren teil.

Über das konkrete Wahlprogramm der Liste Dinkhauser - über ihren rustikalen Spitzenkandidaten hinaus - war bislang nur wenig zu erfahren. Zentrale Themen seien aber gerechte Verteilung und "eine Politik, die den Menschen in den Mittelpunkt stellt und nicht die Mächtigen". Der fünffache Vater Dinkhauser war bisher aber bemüht, die Erwartungen herunterzuschrauben: Er sei weder ein "Messias" noch ein "Wunderwuzzi", sagt er. (hei, kw/DER STANDARD, Printausgabe, 23.8.2008)

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