Onlinedirektor streichen? "Nicht auf Zuruf"

22. August 2008, 11:00
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ORF: Entscheidung liegt bei Geschäftsführer und Stiftungsrat, nicht beim Betriebsrat - Onlinedirektor Prantner im STANDARD-Interview "Unqualifizierter Angriff"

Wien - ORF-Betriebsratschef Gerhard Moser forderte im STANDARD, den Job des Onlinedirektors Thomas Prantner einzusparen und seine zwei Hauptabteilungsleiter für nur 25 Mitarbeiter zu hinterfragen. ORF-Sprecher Pius Strobl reagierte via APA ausweichend: "Weit reichende Strukturmaßnahmen werden im ORF vom Geschäftsführer ausgearbeitet, dem Stiftungsrat zur Beschlussfassung vorgelegt und dann umgesetzt." Strukturmaßnahmen erfolgten "sicher nicht auf Zuruf".

Das ist kein Nein. ORF-General Alexander Wrabetz hat schon Ende 2007 im STANDARD angekündigt, er wolle zwei von sechs Direktoren einsparen. Strobl verwies aber auf die "hervorragende Arbeit" von Onlinedirektion und ORF-Tochter ORF On. Betriebsratschef Moser unterstrich Donnerstag seine Forderung.

STANDARD: ORF-Betriebsratschef Gerhard Moser hat im STANDARD gefordert, als erstes Ihren Job einzusparen plus die beiden Hauptabteilungsleiter in der Onlinedirektion. Können Sie sich erklären, wie er darauf kommt?

Prantner: Das ist offensichtlich seine Sicht der Dinge, die ich klarerweise nicht teile. Bezüglich meines Jobs verweise ich auf die eindeutigen Aussagen der ORF-Unternehmensführung. Bezüglich der beiden Abteilungsleiter in der Onlinedirektion weise ich die Forderung Herrn Mosers, diese abzuschaffen, entschieden zurück. Diese Forderung ist nicht nur ein unqualifizierter Angriff gegen zwei sehr erfolgreiche, erfahrene KollegInnen, sondern zeigt auch von mangelnder Sachkenntnis über die Arbeit und die Leistungen der beiden Abteilungsleiter und ihrer jeweiligen MitarbeiterInnen in der Onlinedirektion.

Petra Höfer gehört zu den qualifiziertesten und kompetentesten weiblichen Führungskräften unseres Hauses. Frau Höfer ist als Abteilungsleiterin in der Onlinedirektion für Budget, Personal und Controlling zuständig und darüber hinaus Leiterin der gesamten Vermarktungs- und Marketingaktivitäten für Online, Teletext und neue Medien. Damit ist sie federführend für alle Werbeeinnahmen im Bereich Online/TXT/neue Medien und damit für den wirtschaftlichen Erfolg der ORF Online & Teletext Ges.m.b.H. & Co.KG verantwortlich. Wie die Entwicklung unserer Werbeerlöse in den Jahren 2007 und 2008 belegt, leistet sie ganz hervorragende Arbeit.

Hubert Nowak ist hauptverantwortlich für die Umsetzung des strategischen Ziels der ORF-Geschäftsführung, ORF.at zu einer multimedialen Plattform auszubauen. Als langjähriger Journalist und erfahrener Projektmanager betreut er dabei das zentrale Vorhaben in diesem Zusammenhang, das Projekt Video-on-demand, bei dem noch heuer rund 30 ORF-TV-Sendungen online abrufbar gemacht werden sollen. Ein Projekt, das einen Meilenstein in der notwendigen multimedialen Weiterentwicklung des Onlineauftritts eines modernen Medienunternehmens darstellen wird.

Und diese beiden Abteilungsleiter will Herr Moser einsparen ? Dazu erübrigt sich jeder weiterer Kommentar.

STANDARD: Betriebs- und Redakteursrat sprechen von hinausgeworfenem Geld, weil der ORF einen Unternehmensberater engagiert hat, um ORF.at und Onlinedirektion zu analysieren, was schon zwei interne Gutachten tun. Wozu Roland Berger?

Prantner: Zum Beratungsauftrag an die Firma Roland Berger ist festzuhalten, dass es vor allem um eine Überprüfung der reformbedürftigen Struktur und die Doppelgleisigkeiten zwischen Onlinedirektion und ORF ON bzw. um mögliche Einsparungspotentiale und Synergieeffekte in beiden Bereichen geht. Dieses Thema wurde in den angesprochenen internen Studien nicht oder nur äußerst peripher behandelt.

STANDARD: Ist es korrekt, dass von den 25 Leuten in Ihrer Direktion sieben Mitarbeiter mit Jahresende nicht verlängert werden? Wie drastisch müssen Sie sparen?

Prantner: Wir sind zwar eine kleine Direktion, müssen aber genauso unseren Beitrag zum unternehmensweiten Sparprogramm leisten - und zwar sowohl was die Personal- als auch was die Sachkosten betrifft. 7 unserer 25 MitarbeiterInnen in der Onlinedirektion haben nur befristete Verträge, die mit Jahresende 2008 auslaufen. Es ist daher möglich, dass diese Verträge nicht verlängert werden.

Ich werde aber mit aller Kraft darum kämpfen, dass wir zumindest einem Teil dieser MitarbeiterInnen neue Verträge anbieten können, weil wir ja auch neue Projekte, wie das angesprochene Video-on-demand-Projekt umsetzen wollen. (fid/Langfassung/DER STANDARD; Printausgabe, 22.8.2008)

  • Onlinedirektor Thomas Prantner.
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    Onlinedirektor Thomas Prantner.

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