Empörung in Frankreich über langsame Reaktion auf Taliban-Angriff

22. August 2008, 09:08
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Verletzte Soldaten berichten, sie hätten erst nach vier Stunden Verstärkung unnd Nachschub erhalten

Paris - Nach dem Tod von zehn französischen Soldaten in Afghanistan haben die oppositionellen Sozialisten eine Sondersitzung des Parlaments beantragt und gefordert, den von Staatspräsident Nicolas Sarkozy ausgeweiteten Einsatz "neu zu definieren". Aber auch im konservativen Mehrheitslager wächst die Kritik an der Afghanistan-Politik der Regierung. "Wir sitzen in der Klemme, die NATO-Strategie muss unbedingt geändert werden", sagte der Abgeordnete Pierre Lellouche von der Präsidentenpartei UMP am Donnerstag in Paris.

Verteidigungsminister Hervé Morin hat Vorwürfe zurückgewiesen, er habe zu langsam reagiert. Zugleich räumte er die Notwendigkeit einer anderen Strategie gegenüber den Taliban ein. "Sie haben ihre Technik und ihre Methode geändert und sind zu wesentlich härteren Operationen in der Lage. Wir müssen uns auf Angriffe von größerer Gewalt vorbereiten."

Zunächst müssten alle Umstände des Taliban-Angriffs geklärt werden, sagte Morin am Donnerstag im Rundfunksender RTL. Überlebende hatten der Zeitung "Le Monde" (Donnerstag) gesagt, Hilfstruppen seien zu spät eingetroffen. Der Spähtrupp wäre fast vier Stunden ohne Unterstützung unter Feuer gelegen. Bei dem Gefecht 50 Kilometer östlich von Kabul waren am Montag weitere 21 Soldaten verletzt worden. Eine schnelle Eingreiftruppe sei "15 bis 20 Minuten nach Beginn des Feuerwechsels" in Marsch gesetzt worden und habe eine knappe Stunde gebraucht, um an den Ort des Überfalls zu gelangen, sagte Morin. Anschließend seien eine zweite Einheit und Hubschrauber eingesetzt worden. Allerdings habe man für diese Operationen die Zone zunächst absichern müssen. Der Minister verwies darauf, dass die Attacke der Taliban gut vorbereitet gewesen sei. Bis zu 100 Kämpfer hätten den Hinterhalt vorbereitet und mit extremer Gewalt durchgeführt.

Nach Informationen von "Le Monde" sollen die französischen Soldaten nicht gleich zu Beginn, sondern im Verlauf des Gefechts umgekommen sein. Auch soll es unpräzise Luftschläge der Alliierten gegeben haben. Vorwürfe, es habe irrtümlich Luftschläge gegen die eigene Truppe ("friendly fire") gegeben, wies Morin zurück. Er habe dazu keine Informationen, sagte er. "Wir wissen, dass wir keine F15-Kampfflugzeuge mit Bomben einsetzen konnten, da zwischen Taliban und französischen Truppen nicht unterschieden werden konnte. "Wenn Bomben abgeworfen worden wären, hätte es schwere Kollateralschäden gegeben."

Im Pariser Invalidendom begann am späten Vormittag die Trauerfeier. Die Särge der zehn Opfer des Taliban-Angriffs vom Montag waren mit der Nationalflagge bedeckt. Verteidigungsminister Morin würdigte die neun getöteten Fallschirmjäger und einen Fremdenlegionär. "Unsere Soldaten haben ihren Beruf mit Mut, Entschlossenheit und Leidenschaft erfüllt", sagte er zuvor in einem Radiointerview. (APA/AP/dpa)

  • Verletzter Soldat bei der Ankunft in Paris.
    charles platiau

    Verletzter Soldat bei der Ankunft in Paris.

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