Olympischer Altersbetrug: Hacker legt Beweise vor

21. August 2008, 12:54
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Offizielle Dokumente belegen: Turnerin zu jung für olympisches Gold - Google fördert offizielle Dokumente zu Tage, allerdings nur kurz

Ein US-Sicherheitsexperte hat bei der Suchmaschine Google sowie der chinesischen Tocher google.cn Beweise gefunden, die den möglichen Altersbetrug bei chinesischen Olympioniken untermauern. Die aufgespürten Dokumente bestätigen, dass die chinesische Olympia-Turnerin He Kexin jünger ist, als sie in ihrem offiziellem Pass ausgewiesen wird. Der Hacker mit dem Internetnicknamen "Stryde Hax" behauptet in seinem Blog, im Cache der Suchmaschine fündig geworden zu sein. So sei er auf offizielle Dokumente gestoßen, die für die Turnerin das Geburtsjahr 1994 ausweisen. Die Originaldokumente sind mittlerweile freilich verschwunden. Die Diskussion um den möglichen Altersbetrug wird schon seit einigen Tagen heftig geführt. Laut IOC-Reglement müssen Olympiateilnehmer das Mindestalter von 16 Jahren aufweisen.

Vorgeschichte

Die New York Times wies als erstes Medium auf digitale Beweise hin, die belegen würden, dass chinesische Athleten von den chinesischen Behörden älter gemacht wurden, als sie tatsächlich sind. Vergangene Woche stießen Redakteure der Nachrichtenagentur AP auf Berichte der chinesischen Agentur Xinhua, aus denen hervorgeht, dass die Turnerin vor Beginn der olympischen Spiele 13 Jahre und neun Monate alt war. Damit fehlen dem Mädchen mehr als zwei Jahre zur legalen Olympiateilnahme. Nach Veröffentlichung des AP-Artikels war der Originaltext der chinesischen Agentur nicht mehr erreichbar. Dem Hacker Stryde Hax erging es ähnlich. Die erste Suchanfrage mit dem Namen der Turnerin und dem Geburtsjahr 1994 ergab zwei Treffer. Beide Male stieß er auf offizielle Listen, die das Mädchen als 14-Jährige ausgeben. Wenige Stunden nach der Veröffentlichung seiner Funde wiederholte er die Suche und stellte fest, dass eine Fundstelle davon verschwunden war - das Originaldokument ebenso wie der Link im Google-Cache.

Überprüfung

Seine Ergebnisse wollte Stryde Hax mithilfe der in China beliebten Suchmaschine Baidu überprüfen und stieß interessanterweise auf ein weiteres Dokument, das Google nicht kannte. Auch hier wurde die junge Turnerin mit dem Geburtsdatum 1.1.1994 angegeben. Für Stryde Hax ist damit bewiesen, dass die Altersangaben der Mädchen gefälscht wurden. Allerdings schreibt er weiter, dass seine Versuche, Beweise für Betrug zu finden ein Lehrbeispiel für Internetzensur seien. "Diese Geschichte dreht sich um Zensur, allein durch die Tatsache, dass Dokumente verschwinden während man dieselben Beweise gleichzeitig als falsch bezeichnet", schreibt der Hacker. "Es ist für mich das erste Mal, dass Aufzeichnungen wie Sand durch meine Finger rinnen. Fakten verschwinden in einem großen Loch im Web." Pikant ist die Altersfrage zudem, weil He einerseits als Teil des Turnnationalteams und andererseits im Einzelbewerb am Stufenbarren die Goldmedaille geholt hat. Bei der aufdeckerischen Berichterstattung der US-Journalisten und -Blogger darf freilich auch nicht vergessen werden, dass die chinesische Turnerin mit ihrer Leistung beide Male die US-Teilnehmerinnen auf Platz zwei verwiesen hat.  (pte)

  • Artikelbild
    grafik: stryde hax
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