OeNB: Banken erhöhten Zinsen

21. August 2008, 12:43
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Schon im Vorfeld der Leitzinserhöhung durch die EZB im Juli 2008 haben die Banken im zweiten Quartal die Zinsen für ihre Kunden angehoben

Wien - Schon im Vorfeld der Leitzinserhöhung durch die Europäische Zentralbank (EZB) im Juli 2008 (+0,25 Prozentpunkte auf 4,25 Prozent) haben die Banken im zweiten Quartal die Zinsen für ihre Kunden angehoben. Im Kreditbereich hätten insbesondere Unternehmen bei neuen Verträgen deutlich höhere Zinssätze in Kauf nehmen müssen, teilte die Oesterreichische Nationalbank (OeNB) heute, Donnerstag, mit. Doch auch Private seien stärker zur Kasse gebeten worden.

Vorzeitig zugelegt haben auch die Zwischenbankzinssätze - der 3-Monats-Euribor (European Interbank Offered Rate) stieg im zweiten Quartal, also vor der EZB-Zinserhöhung, um 0,34 Prozentpunkte auf 4,94 Prozent, der 12-Monats-Euribor gar um 0,77 Prozentpunkte auf 5,36 Prozent.

Unternehmenskredite höher

In Österreich erhöhten sich zwischen März und Juni die Zinsen bei Unternehmenskrediten für Volumen von bis zu 1 Mio. Euro um 0,19 Prozentpunkte auf 5,52 Prozent (im Euroraum um 0,23 Prozentpunkte auf 6,09 Prozent), bei Volumen von über 1 Mio. Euro um 0,18 Prozentpunkte auf 5,09 Prozent (im Euroraum um 0,17 Prozentpunkte auf 5,37 Prozent). Bei neuen Krediten an private Haushalte blieben die Anstiege etwas geringer - bei Konsumkrediten +0,14 Prozentpunkte auf 6,83 Prozent, bei Wohnbaukrediten +0,07 Prozentpunkte auf 5,26 Prozent).

Auffallend sind hier laut OeNB die zum großen Teil durch die Finanzmarktturbulenzen bedingten sehr deutlichen Zinssatzerhöhungen gegenüber dem Vergleichswert des Vorjahres. Konsumkredite lagen mit 6,83 Prozent um 0,65 Prozentpunkte über dem Wert von Juni 2007, Wohnbaukredite mit 5,26 Prozent immerhin um 0,55 Prozentpunkte darüber.

Im Euroraum gab es im Jahresabstand lediglich Anstiege um 0,36 (Konsumkredite) bzw. 0,34 Prozentpunkte (Wohnbaukredite) zu beobachten, bei Konsumkrediten lag der Durchschnittszinssatz in Österreich im Juni 2008 aber nach wie vor sehr deutlich unter dem Euroraum-Vergleichswert (7,88 Prozent). Bei Wohnbaukrediten waren die Durchschnittszinssätze in Österreich und im Euroraum identisch (je 5,26 Prozent). Beim in Österreich nach wie vor sehr wichtigen Substitutionsprodukt für Euro-Wohnbaukredite - beim Schweizer-Franken-Kredit - sank im zweiten Quartal der Durchschnittszinssatz um 0,08 Prozentpunkte auf 3,76 Prozent.

Einlagezinssätze höher

Auch bei neu vereinbarten Einlagenzinssätzen an private Haushalte gab es zwischen März und Juni 2008 höhere Zinsen. Am stärksten fielen die Anstiege in der Laufzeitkategorie "1 bis 2 Jahre" aus. Allerdings relativiert sich der Zuwachs von 0,52 Prozentpunkten auf 4,07 Prozent in Österreich durch den Umstand, dass im März neue Einlagenprodukte mit niedriger Grundverzinsung auf den Markt kamen. Im Jahresabstand betrug der Zuwachs in dieser Kategorie nur 0,18 Prozentpunkte (verglichen mit 0,82 Prozentpunkten im Euroraum). Der Zinssatz lag mit 4,07 Prozent in Österreich auch deutlich unter jenem im Euroraum (4,61 Prozent). Bei Laufzeiten von bis zu 1 Jahr stieg der Zinssatz in Österreich im zweiten Quartal um 0,24 Prozentpunkte, gegenüber Juni 2007 um 0,39 Prozentpunkte auf 4,29 Prozent.

Im Euroraum waren die Anstiege kräftiger (gegenüber März 2008 +0,30 Prozentpunkte, gegenüber Juni 2007 +0,66 Prozentpunkte) und auch hier war der Durchschnittskunde im Euroraum mit 4,43 Prozent gegenüber jenem in Österreich (4,29 Prozent) im Vorteil. Den schwächsten Anstieg gab es bei Laufzeiten von über 2 Jahren. Im Quartalsabstand stieg der Zinssatz in Österreich laut Nationalbank "um magere 0,05 Prozentpunkte gegenüber März, im Jahresabstand gar nur um 0,04 Prozentpunkte auf 4,08 Prozent". Immerhin war der Zinssatz in Österreich hier damit noch klar über den Euroraumdurchschnitt von 3,27 Prozent, in den beiden kürzeren Laufzeitkategorien (bis 1 Jahr und 1-2 Jahre) hingegen darunter. (APA)

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