Musikrundschau in Jazz und Klassik

21. August 2008, 17:01
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Neue Alben von Kenny Baron, David Sanchez, Michael Wollny, Eva Kruse, Eric Schaefer und Erwin Schrott

KENNY BARRON
The Traveler
(Universal)
Der Mann aus Philadelphia ist der klangbewusste Meister des entspannten, poetischen Klaviers, der - kenntnisreich und erfahren, wie er ist - natürlich auch jene Jazzgeister zu erwecken versteht, die mit Rasanz auf der Suche nach markanten Improvisationslinien sind. Seine Kunst ist zugänglich, aber nie anbiedernd. Sie hat Atmosphäre, beschränkt sich dennoch nicht darauf, nur Tagträume zu bedienen. Es ist Mainstream mit Tiefe und Würde.

DAVID SANCHEZ
Cultural Survival
(Universal)
Ein markanter Ton ist eine nette Voraussetzung, um musikalische Aussagen mit Aura aufzuladen. Tenorist David Sanchez verfügt über einen solchen. Der Mann aus Puerto Rico hat zusätzlich allerdings auch als Echtzeitkünstler ein tolles Gefühl für die Gestaltung des Augenblicks. Ob nun mit wenigen Noten auf den Punkt zu kommen oder emphatisch die harmonische Landschaft zu durchschreiten - Sanchez kann beides. Jede Note sitzt. Und Monologe werden dramaturgisch versiert Höhepunkten entgegengeführt.

WOLLNY/KRUSE/SCHAEFER
(em)3
(ACT/Edel)
Wieder ein Lebenszeichen der neuen deutschen Jazzwelle: Pianist Michael Wollny wirkt hier in der traditionsreichen Triobesetzung als düsterer Impressionist, der dem Klavier eine Menge an Klangmasken verpasst. Zusammen mit Eva Kruse (b) und Eric Schaefer (dr) mixt er das Poetische mit dem Schummrigen, das Tonale mitdemFreitonalen. Ein polyglotter Musiker mit flexiblen Stilansichten.

ERWIN SCHROTT
(Decca)
Es hat ihm nicht geschadet, mit Anna Netrebko privat zusammengekommen zu sein. Nur, auf der Bühne nützt das nichts. Als Leporello hat Erwin Schrott in Salzburg aber gezeigt, dass er ein guter Sängerdarsteller ist. Hier wandert der Bariton zwischen Mozart, Verdi, Berlioz, Gounod und Meyerbeer und präsentiert sich als intensiver Gestalter (das Timbre ist allerdings nicht charismatisch) mit dem Sinn für Feinheiten wie auch für Dramatik. Das Orchestra de la Comunitat Valencia unter Riccardo Frizza assistiert sensibel.
(toš /DER STANDARD, Printausgabe, 22.8.2008)

 

  • "The Traveler"
    foto: universal

    "The Traveler"

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