iPhone-Gesudere

21. August 2008, 09:13
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Nach dem Hype das Wehklagen: eine Erfahrung, die nicht nur der Sandkistenstratege, sondern auch Apple macht

Im ersten Jahr hat sich das iPhone Kultstatus erworben, nicht nur dank seiner Qualitäten und Apples Kunst der Inszenierung, sondern auch durch die künstliche Verknappung. Mit der zweiten Generation läuft jedoch die Schonfrist für den talentierten Handyneuling ab, und Steve Jobs' "Realitätsverzerrungsfeld" (eine dem Apple-Chef zugeschriebene Eigenschaft) lässt nach. So werden auch die Schwächen sichtbar.

Problematik

Die größte, von frustrierten Benutzern auf Webseiten gepostet: häufige Gesprächsabbrüche und Schwierigkeiten beim Wechsel zwischen schnellem 3G- und langsamem 2G-Funknetz.

Frustration

Eine besondere Frustration liegt aber in der DNA des Unternehmens: Apple will Probleme mit seinem Wunderding nicht kommentieren, schon gar nicht zugeben. Solches Verhalten weckt die Lust zum ärgerlichen Posten.

Beschwerden

Was ist von den Beschwerden über die Verbindungsprobleme der iPhones zu halten? Auf zwei seit einem Monat verwendeten Testgeräten konnte ich zwar gelegentlich Schwächen beim Wechsel von 3G auf 2G (und vice versa) beobachten, aber keine wirklichen Störungen. Unbestätigte Berichte wollen bei zwei Prozent aller iPhones "richtige" Probleme ausgemacht haben, für die es am Dienstag Bug-Fixes gab. Ein großes Ärgernis - aber bedauerlicherweise im üblichen Rahmen einer Branche, die neue Produkte liebend gerne "Beta" tituliert, um Unreife zu verbrämen.

Akku

Unzureichende Akkulaufzeiten sind die zweithäufigste Klage über das iPhone. Stimmt, und auch nicht: Wer alle Funktionen von Video, Musik, Navigation und 3G-Websurfen intensiv nutzt, dessen iPhone wird das Ende des Tages nicht sehen. Wie im Übrigen auch andere vergleichbare Geräte nicht. Das andere Extrem: Wer nur ein wenig telefoniert, kommt im Standby tagelang durch. Dazwischen liegt die Alltagserfahrung, dass das iPhone mit Akkumanagement im Schnitt von Multimediahandys abschneidet.

Energie

Apple verstärkt auch hier durch sein Verhalten das Problem: Softwareseitig fehlt ein "Schalter" für "Energie sparen", wie am Notebook üblich; Benutzer müssen selbst alle Stromfresser sorgsam kontrollieren, wenn sie eine möglichst große Distanz zurücklegen wollen.

Betreiber

Und offenbar haben Netzbetreiber von Apple keine Zeit bekommen, Gerät und Netz feinzutunen und so Akkustrom zu sparen, worauf "3"-Chef Berthold Thoma im Standard-Interview hinwies. Apple bekommt derzeit von vielen Kunden, die aus der Windows-Welt kommen (und womöglich unter Vista-Problemen litten) einen großen Vertrauensvorschuss. Der ist schnell verspielt - nicht durch einzelne Probleme, sondern durch Arroganz im Umgang damit. (Helmut Spudich / DER STANDARD Printausgabe, 21.08.2008)

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