"Selbsthilfe" gegen Nordafrikaner-Szene

20. August 2008, 20:19
125 Postings

Private Sprinkleranlage soll in Innsbruck Obdachlose und Drogenszene vertreiben

Innsbruck - Vor ihrem Büro sei es rund gegangen, erzählt die Mitarbeiterin eines Betriebes des Hauses Südtiroler Platz 1 schräg gegenüber dem Innsbrucker Hauptbahnhof. Nordafrikaner mit ihren Freundinnen seien vor dem Haus gesessen, hätten getrunken und gepöbelt. Wohl habe sie sich nicht gefühlt. Der Hausmeister habe dann eine Sprinkleranlage an der Fassade installiert, und immer wenn besonders viele Nordafrikaner trinkend und grölend vor den Schaufenstern gesessen sind, dann sei die Anlage eingeschaltet worden.

Zufrieden mit der Sprinkleranlage ist auch Fahrschulbesitzer Hanno Vogl-Fernheim. "Wenn der Boden nass ist, ziehen die Horden ab." Oft seien Jugendliche von den dealenden Nordafrikanern direkt nach einer Fahrstunde vor dem Büro angesprochen worden: "Wenn die Polizei nicht eingreifen kann, dann helfen wir uns selbst."

Für Gebi Mair von den Grünen ist die privat installierte Sprinkleranlage " eine logische Folge der politischen Vorarbeit in Innsbruck". Vor einigen Tagen hatte schon Vizebürgermeister Christoph Platzgummer (Für Innsbruck) mehr Polizei zum Einsatz gegen die Nordafrikanerszene gefordert. Das Sicherheitsgefühl sei sehr subjektiv, gesteht Mair ein. Und diese "Szene" sei auf der Straße präsent. Das "Herumlungern von Schwarzen" auf dem Innsbrucker Hauptbahnhof passe zudem nicht ins Bild der "Tourismusstadt Innsbruck". Bereits vor einem Jahr seien am Landhausplatz die Bänke abmontiert worden, damit keine Sandler herumsitzen könnten. Mair fordert von der Stadt andere Lösungen: "Die Drogenszene verschwindet nicht, sie verlagert sich nur - etwa in Wohnungen."

Seit der EURO sind am Vorplatz des Innsbrucker Hauptbahnhofes zwei Kameras fix installiert. Damit könne die Polizei "schnell reagieren", sagt der Leiter der Sicherheitspolizei Peter Öhm. Eingegriffen könne von den Beamten aber nur werden, wenn bei einer Überprüfung auch Drogen gefunden würden. Öhm fordert eine politische und vor allem überregionale Lösung. Denn die Nordafrikaner könnten nicht abgeschoben werden. Oft seien sie unter falschem Namen im Land. Und Marokko akzeptiere nur korrekte Daten. Die private Sprinkleranlage sei nicht "Sache der Polizei", außer, wenn "die Verkehrssicherheit darunter leidet". Wer sich belästigt fühle, müsse zivilrechtlich klagen. Es sei aber offensichtlich, dass "jeder versucht, sich selbst zu helfen". So sieht es auch Fahrschulbesitzer Vogl-Fernheim: "Es sollte nicht zu dieser Selbsthilfe kommen müssen, aber jeder schiebt die Schuld auf einen anderen." (Verena Langegger/DER STANDARD, Printausgabe, 21. August 2008)

Share if you care.