Erzählungen ohne Geschichte

20. August 2008, 20:10
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Vier französische und vier österreichische Künstler in der Salzburger Galerie Traklhaus

Es geht um Geschichten, die sich weder an einen konkreten Erzähler noch an bestimmte Orte heften. Im Grunde genommen haben sie auch keinen eigentlichen Besitzer, beschreibt Lóránd Hegyi das, was er "nomadische Narrative" nennt.

In den "Figurativen Zeichnungen", die er mit Dietgard Grimmer zusammengestellt hat, kleidet sich die "nomadische Narrative" in unberechenbar akkumulierte Bildteile. Fragmente aus unterschiedlichsten Welten und Realitätsebenen treffen hier aufeinander. Ausgedachtes, gefundenes oder gestohlenes Material vermengt sich zu Hybriden.

Vier französische und vier österreichische Künstler treffen in der Galerie Traklhaus spannungsvoll aufeinander. Eine eher klassisch, auf den Strich konzentrierte Auffassung von Zeichnung bei den Österreicherinnen Gunda Gruber, Iris Andraschek, Maria Bussmann, Barbara Eichhorn und Gunda Gruber begegnet malerischeren, mit der Farbfläche operierenden französischen Positionen von Rebecca Bournigault, Françoise Pétrovitch und Barthélémy Toguo.

Jean Luc Verna, Punk-Paradiesvogel, zuletzt vor allem als Tänzer aktiv und leidenschaftlich Piercings und Tattoos verfallen, bildet formal eine Ausnahme. In seinen Zeichnungen balanciert er zwischen Komik und Melancholie: Mittels Holzpantinen hält Verna etwa einen muskulösen "Putto" vom Höhenflug ab. Die Motive seiner Figuren stammen aus verschiedensten Quellen, die er auf leicht vergilbtem Papier arrangiert.

Bei Toguo, eigentlich aus Kamerun, winden sich die Körper wie in Ekstase. Eingesperrt zwischen dem klaren Strich des Ornaments, entwickelt ihre sexuelle Energie wuchernde Pflanzenarme ("Wild Cats Diner", 2006).

Rätselhafter die Aquarelle von Françoise Pétrovitch, die ihren Frauenfiguren, beziehungsweise deren Füßen, mysteriöse Schatten unter die Stöckel zaubert. Auch ihren Zwillingsporträts, nach Art von Rohrschach-Tests konzipiert, wohnt eine unheimliche Magie inne. In diesen Rätseln, die man als Betrachter womöglich gar nicht auflösen will, liegt auch die Faszination von Iris Andrascheks Zeichnungen, die oft zwei Verarbeitungsebenen, Bild und Text, ineinanderwebt. (kafe / DER STANDARD, Print-Ausgabe, 21.8.2008)

 

Galerie im Traklhaus Waagplatz 1a, 5020 Salzburg, bis 13. 9.

Link: salzburg.gv.at/traklhaus

  • Mit der Reduktion auf wenige Aquarellstriche fängt Rebecca Bournigault sowohl das Flüchtige als auch das Ungewisse ihrer Akte ("Nu", 2000) und Porträts von Fremden ein.
    foto: traklhaus

    Mit der Reduktion auf wenige Aquarellstriche fängt Rebecca Bournigault sowohl das Flüchtige als auch das Ungewisse ihrer Akte ("Nu", 2000) und Porträts von Fremden ein.

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