Telekom Austria: Staatliche Versprechen

20. August 2008, 19:23
3 Postings

Mit Höhen und Tiefen wäre die TA seit ihrem Börsengang Ende 2000 ein erfolgreiches Privatisierungsbeispiel - Von Helmut Spudich

Die Verwindungen rund um den Verkauf der Austrian Airlines geben nur einen Vorgeschmack dessen, was uns bei der gleichfalls noch immer teils staatlichen Telekom Austria bevorsteht. Mit Höhen und Tiefen wäre die TA seit ihrem Börsengang Ende 2000 ein erfolgreiches Privatisierungsbeispiel: ein expandierendes, profitables Unternehmen - wären da nicht die Altlasten in Form von mehreren tausend Beamtenverhältnissen. Die Republik hoffte, diese einfach abwälzen zu können.

Diese Altlasten drohen jetzt das Unternehmen nach unten zu ziehen. Denn die rapiden Innovationszyklen im Telekomgeschäft und die damit verbundene Rationalisierung, zusammen mit hartem Wettbewerb, erlauben es nicht mehr, tausende überzählige Mitarbeiter einfach weiter auf der Payroll zu führen. Während der Mobilfunk - bereits der größere Teil der TA - rund 7000 Mitarbeiter zählt, stecken im kleineren Festnetzbereich noch immer fast 10.000 Personen.

Das Dilemma des Staates: Einerseits hat er den Beamten das Versprechen auf lebenslange Beschäftigung und Pension abgegeben - andererseits hat er beim Börsengang und lukrativen Verkauf seiner Anteile den Aktionären ein wettbewerbsfähiges Unternehmen versprochen. Nebenbei: Nicht wenige der als Volksaktie propagierten TA wurden von vielen Kleinaktionären als Zukunftssicherung gekauft.

Die einzige Chance des Staates, beide Versprechen zu halten, besteht darin, wieder die Verantwortung für seine Beamten zu übernehmen. Dafür kann die Republik die Dividenden der so befreiten TA verwenden oder die restlichen 27 Prozent verkaufen. (Helmut Spudich, DER STANDARD, Print-Ausgabe, 21.8.2008)

Share if you care.