Textilkrise: Getzner erhält Rückenwind aus Afrika

20. August 2008, 18:44
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Vorarlberger Textilgruppe webt an Spezialitäten

Wien - Es werde immer ein Kampf sein, sagt Georg Comploj, Chef des Vorarlberger Textilkonzerns Getzner, in Hinblick auf die Krise seines Mitbewerbers Hämmerle. Ein Kampf gegen Billigkonkurrenz aus Asien, gegen flauen Konsum und schwachen Dollar. Bestehen könne da nur, wer nicht austauschbar sei. Doch derzeit sei das Umfeld besonders hart, und davon könne sich auch Getzner nicht abkoppeln. Große Märkte wie Japan und die USA seien in Folge des starken Euros weggebrochen. "Unser Umsatz mit Stoffen für Hemden sinkt daher heuer um gut zehn Prozent." China liefere aktuell Hemdenstoffe zu je 3,40 Euro, 2002 kosteten sie fast doppelt so viel. Kein Europäer könne da mithalten.

Unterm Strich will Getzner den Umsatz heuer dennoch auf knapp 100 Mio. Euro halten. Der dafür nötige Rückenwind kommt aus Afrika. Die Vorarlberger konzentrieren sich seit 30 Jahren auf farbenprächtige Damaste, ihre Spezialität ist es, Baumwolle permanenten Glanz zu verleihen. Sie sind damit in Westafrika Marktführer. Fernost-Anbieter hätten sich aufgrund der hohen Qualitätsanforderung zurück gezogen, erzählt Comploj. 40 Hersteller aus China, die Plagiate mit der Marke seines seit 1818 bestehenden Familienbetriebs schmückten, hat er 2003 ausfindig gemacht - und das Kopieren mit Hilfe der Behörden unterbunden. "Das hat sich schnell herum gesprochen, seither haben wir damit keine Probleme mehr."

Getzner versorgt neben Afrika Designer wie Armani, Calvin Klein und Hugo Boss mit Modestoffen. Produziert wird mit 690 Mitarbeitern in Bludenz, in eigenen Webereien in Deutschland und der Schweiz sind weitere 150 Leute beschäftigt. Die Arbeitskosten seien in der Schweiz aufgrund der längeren Arbeitszeiten und niedrigeren Energiekosten geringer als in Österreich, rechnet Comploj vor. Ob sich die Produktion in Bludenz auf Dauer halten ließe, könne keiner vorhersagen. Für den Standort spreche die hohe Produktivität und flexible Arbeitszeiten. Stark investiert wird in die Schwesterfirma Getzner Werkstoffe. Sie zählt mit 45 Mio. Euro Umsatz zu den führenden Anbietern von Schwingungsisolierungen, etwa für die Bahn. Der jüngste Großauftrag kommt aus China. (Verena Kainrath, DER STANDARD, Print-Ausgabe, 21.8.2008)

 

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