Populismus West/Ost

20. August 2008, 18:33
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"Rebellen", die in die Kirche gehen, kommen in Wien nicht so gut an

Das Produkt "knorriger Tiroler Rebell" findet allem Anschein nach in Wien nicht genug Abnehmer bzw. Unterschriftleister für eine "Liste Fritz Dinkhauser". Wiener Phlegma? Oder: Wenn schon, dann wollen wir einen jüngeren, strizzi-mäßig auftretenden mit Haar-Gel in fescher Panier? Auch auf dem Populistenmarkt gibt es offenbar regionale Markenpräferenzen.

"Rebellen", die fleißig in die Kirche gehen, das kommt in Wien nicht so gut. Der klassische Wiener Menschenfeind vom Grund will seine politische Repräsentanz nicht mit Weihrauch-Geschmack. Andreas Hofer hat ja seinerzeit als (kurzfristiger) Sieger in Tirol als erstes eine Art katholisches Taliban-Regime eingeführt, mit Bekleidungsvorschriften für die Weiberleut' und so. Unsere Wiener Rechtspopulisten treiben sich (dem Vernehmen nach) lieber in Ethno-Discos herum und baggern Mädels mit "Migrationshintergrund" an, was zu spannenden Konfrontationen mit Brüdern und Cousins geführt haben soll.

Wie auch immer, die Möglichkeit, dass sich die Populisten nun in Wien gegenseitig Stimmen wegnehmen, ist geringer geworden. (Hans Rauscher/DER STANDARD Printausgabe, 21. August 2008)

 

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