Medaille fürs Jubeln

20. August 2008, 18:24
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Aus unerklärlichen Gründen interessiert uns Olympia nämlich doch, vor allem aber ob jener Randmomente, wegen derer die Spiele ganz bestimmt nicht veranstaltet werden

Trotz jenes Respekts, den wir für die Olympioniken empfinden, da sie jahrelang schuften, um sich dann am entscheidenden Tag womöglich nur Blech abzuholen, können wir für das Zustandekommen ihrer Siege und Niederlagen keine wirkliche TV-Geduld aufbringen.

Als wär' das nicht schon schlimm und für die Athleten beleidigend genug, wird unser Desinteresse noch fragwürdiger dadurch, dass es inkonsequent ist. Aus unerklärlichen Gründen interessiert uns Olympia nämlich doch, vor allem aber ob jener Randmomente, wegen derer die Spiele ganz bestimmt nicht veranstaltet werden. Bei abgedrehtem Ton studieren wir vor allem die Rituale vor und nach den Wettkämpfen, und ganz viel Aufmerksamkeit ließen wir dem Jubel von Gewichtheber Matthias Steiner angedeihen. Was der an Positionen, Gesten, Sprüngen, Mienenspielchen vollführte - das macht den die Langhantel umarmenden, sich teils selbst ausziehenden Euphorisierten zum Erfinder gleich mehrerer neuer Disziplinen.

Ob es sich dabei um eine neue Form des Bodenturnens handelt, um eine als "Trainerwerfen" zu bezeichnende Sonderform des Kugelstoßens oder um eine von der Tierwelt inspirierte Art des Hochsprungs (oder alles zusammen), ist schwer zu sagen. Darüber mag sich Olympiachef Rogge den Kopf zerbrechen. Der Auftritt sollte jedenfalls nicht folgenlos bleiben, zumindest die Einführung der Medaillendisziplin "Irrwitzigster Jubel" erwirken. Sicher ein Quotenbringer. (tos/DER STANDARD; Printausgabe, 21.8.2008)

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    Matthias Steiner beim Jubeln.

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