AK: Konzerne drücken sich um Steuern

20. August 2008, 17:41
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Kritik: Vor allem heimische Banken knausern, wenn es ums Geld für den Fiskus geht

Wien - "Gemessen an den Gewinnsteigerungen sind die Steuerleistungen der großen, börsenotierten Unternehmen mehr als dürftig" , so Arbeiterkammer-Direktor Werner Muhm am Mittwoch unter Verweis auf eine Untersuchung seines Hauses. Zwischen 2005 und 2007 seien die Einnahmen aus der Körperschaftsteuer laut Finanzministerium von 4,4 auf 5,7 Mrd. Euro gestiegen, also um rund 29 Prozent. Die Profite der Unternehmen seien allerdings gleichzeitig noch steiler gestiegen - bei den ATX-Unternehmen zum Beispiel hätten die Gewinne in den vergangenen drei Jahren um 63 Prozent zugelegt. Der effektive Steuersatz (Steuerleistung im Vergleich zum Konzerngewinn abzüglich alle genutzten Freibeträge oder Verlust ausländischer Töchter im Rahmen der "Gruppenbesteuerung" ) sei gesunken und liege nur mehr bei knapp mehr als 20 Prozent, kritisiert die AK.

Bei den wichtigsten österreichischen Kapitalgesellschaften spiegelt sich dieses Ergebnis laut AK-Studie ebenfalls wider: Einer Gewinnsteigerung von 38 Prozent in den Jahren 2004 bis 2006 stehe ein Absinken der Steuerquote von 21 auf 17,4 Prozent gegenüber. Fast drei Viertel der untersuchten Unternehmen lägen unter dem nominellen Steuersatz von 25 Prozent. Über eine marginale Steuerquote von bis zu zehn Prozent freut sich ein Viertel (26 Prozent) der Kapitalgesellschaften.

Die Geldinstitute seien überhaupt nur "Sparefrohs", was das Steuerzahlen betrifft: "Banken zahlen 2007 effektiv nur 7,4 Prozent Steuern vom Gewinn" , so Muhm. Die Analyse der Steuerleistung der Bankentöchter in Zentral- und Osteuropa widerlege außerdem den "Mythos vom Steuervorteil im Osten", so die AK weiter: Die Steuerbelastung bei den Tochtergesellschaften macht im Jahr 2007 19,3 Prozent aus, damit ist die Steuerquote mehr als doppelt so hoch als am Standort Österreich.
Laut einer Studie des deutschen ZEW-Instituts liegt Österreich mit 23,1 Prozent Effektivbesteuerung im EU-Schnitt, obwohl die Länder in Ostmitteleuropa durch niedrige Steuersätze ihren Standort attraktiviert haben. (APA, DER STANDARD, Print-Ausgabe, 21.8.2008)

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